Die Zuckerrübenproduktion in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen. Neben den sinkenden Preisen und schrumpfenden Anbauflächen setzen neue Krankheiten und die Konkurrenz durch zollfreie Zuckerimporte aus dem Mercosur-Abkommen deutschen Landwirten zu. Diese Entwicklungen gefährden nicht nur die Rentabilität des Rübenanbaus, sondern auch die regionale Versorgungssicherheit mit Zucker.
Anpassung durch innovative Pflanzenschutzlösungen
Um den wirtschaftlichen Druck zu mildern, greifen Rübenanbauer auf neue Pflanzenschutzansätze zurück. Sie setzen verstärkt auf innovative Herbizide, Fungizide und Biostimulanzien, um Erträge zu stabilisieren. Laut Dr. Johann Maier von Südzucker sind resistente Unkräuter und Krankheiten wie das Syndrom niedriger Zuckergehalte (SBR) sowie Cercospora die größten Herausforderungen. Er betont, dass reguläre Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln entscheidend sind, um den Anbau langfristig zu sichern.
Preisverfall bedroht Rentabilität
Der Preisdruck auf Zuckerrüben ist immens: Bei starkem Auftreten von Cercospora und SBR können Erträge um bis zu 50 Prozent sinken. Marius Feldmann von der Metternich-Ratibor-Corvey KG berichtet, dass der Anteil an Zuckerrübenanbau in seinem Betrieb von 160 Hektar im Jahr 2023 auf 118 Hektar im Jahr 2026 zurückgegangen ist. Der wirtschaftliche Wert der Rübe wird durch schlechte Preise und veränderte Märkte stetig gemindert.
Logistische Herausforderungen im Weserbergland
In Höxter, wo die Metternich-Ratibor-Corvey KG ansässig ist, stellt die Entfernung zu Verarbeitungsbetrieben eine weitere Hürde dar. Der Betrieb kämpft mit hohen Frachtkosten und einem Wirkstoffverlust bei Herbiziden. Dennoch bleibt die Rübe Teil der Fruchtfolge neben Weizen, Gerste und anderen Kulturen. Feldmann setzt dabei auf eine intensive Fruchtfolgenplanung und gezielte Düngung.
Erfahrungen mit neuen Pflanzenschutzmitteln
Marius Feldmann berichtet über den Einsatz neuer Pflanzenschutzprodukte wie dem Herbizid Rinpode. Auf seinem Betrieb wurden durch Erosion verursachte Schäden an Rübenfeldern behoben und das Produkt erfolgreich gegen resistente Unkräuter eingesetzt. Das Mittel zeichnet sich durch eine geringe Aufwandmenge aus, was es besonders effizient macht.
Ergebnisse erster Versuche
- Laut Dr. Torsten Hentsch von Corteva AgriScience konnten mit dem neuen Herbizid rund 1 Tonne mehr Zucker pro Hektar erzielt werden.
- Untersuchungen zeigten zudem einen Anstieg des Rübenertrags um bis zu sieben Prozent.
- Die Biostimulanzien erwiesen sich in Kombination mit Pflanzenschutzmitteln als vorteilhaft für die Pflanzenvitalität.
Trotz dieser Fortschritte bleibt der Zuckerrübenanbau unter Druck, da sich Schädlinge wie die Schilf-Glasflügelzikade weiter ausbreiten könnten. Die Erfahrungen zeigen jedoch das Potenzial neuer Technologien zur Bewältigung dieser Herausforderungen.
