Die Vegetation der Winterkulturen in Europa nimmt wieder Fahrt auf: Nach einem vergleichsweise milden Februar mit ausreichender Bodenfeuchte starten viele Bestände in die neue Wachstumsphase unter günstigen Bedingungen. Dennoch zeigen aktuelle Analysen, dass die Ertragsperspektiven für die EU-Ernte 2026 hinter dem Vorjahr zurückbleiben dürften.
Nach Einschätzung der Fachleute des europäischen Agrarmonitorings (MARS) profitieren zahlreiche Regionen von moderaten Temperaturen und ausreichend Niederschlägen. Diese Kombination habe vielerorts zu einer stabilen Entwicklung der Wintergetreidebestände geführt.
Regionale Wetterextreme bremsen Entwicklung
Trotz insgesamt guter Ausgangslage bleibt die Situation regional differenziert. In Teilen Südwesteuropas sowie in einigen Gebieten Osteuropas führten überdurchschnittliche Niederschläge im Februar zu gesättigten Böden und örtlichen Überschwemmungen. Laut MARS-Analysten sei der Einfluss auf Ackerbaukulturen bislang jedoch begrenzt.
Gleichzeitig beobachten Experten in Nordosteuropa eine gegenteilige Entwicklung: Dort blieb es vergleichsweise trocken. Dieser Niederschlagsmangel könnte problematisch werden, da der Wasserbedarf der Kulturen mit zunehmender Vegetationsaktivität deutlich ansteigt.
Frostschäden in Osteuropa möglich
Ein weiterer Risikofaktor waren Kälteeinbrüche im Spätwinter. Insbesondere in Polen und den baltischen Staaten kam es laut den Analysten zu teils starken Frösten. In Regionen mit geringer Schneebedeckung könnten diese Temperaturen lokal zu Schäden an den Beständen geführt haben.
Die Winterhärte der Kulturen wird insgesamt als ausreichend eingeschätzt. Dennoch zeigen die regionalen Unterschiede, wie stark Witterungsextreme die Entwicklung einzelner Bestände beeinflussen können.
Erträge unter Vorjahr – aber über Durchschnitt
Für die EU-Ernte 2026 prognostizieren die Fachleute eine durchschnittliche Getreideertragsleistung von 54,8 Dezitonnen je Hektar. Damit liegt das Niveau unter dem Vorjahreswert von 58,2 dt/ha, aber weiterhin über dem Fünfjahresmittel von 53,8 dt/ha.
Besonders bei wichtigen Kulturen wird ein Rückgang erwartet. So dürfte die Ertragsleistung von Weichweizen auf 59,8 dt/ha sinken, nachdem im Vorjahr noch 62,9 dt/ha erreicht wurden. Auch Wintergerste zeigt eine deutlich schwächere Entwicklung mit prognostizierten 51,3 dt/ha gegenüber 57 dt/ha im Jahr zuvor.
Raps ebenfalls mit leichten Einbußen
Neben Getreide ist auch der Rapsanbau betroffen. Für die aktuelle Saison rechnen die Experten mit einem durchschnittlichen Hektarertrag von 32,2 dt/ha, was ebenfalls unter dem Vorjahreswert von 33,3 dt/ha liegt.
Insgesamt zeigt sich: Trotz eines soliden Vegetationsstarts bleiben Unsicherheiten durch regionale Wetterextreme bestehen. Entscheidend für die weitere Entwicklung der Winterkulturen in Europa wird sein, wie sich Niederschläge und Temperaturen im Frühjahr verteilen.
