Anzeige
 

Diesel bald 3 Euro pro Liter? Was der Preisschock für Landwirte bedeutet

2,31 Euro für einen Liter Diesel. So viel mussten Autofahrer und Landwirte am 23. März 2026 im Bundesdurchschnitt bezahlen – nur noch 1,1 Cent unter dem Allzeithoch vom März 2022. Seit Jahresbeginn hat sich Diesel um rund 60 Cent pro Liter verteuert. Und Energieexperten schließen nicht mehr aus, dass die 3-Euro-Marke fallen könnte.

Klingt dramatisch? Ist es auch. Vor allem für landwirtschaftliche Betriebe, die pro Saison Tausende Liter Diesel durch ihre Fendt, John Deere oder Claas jagen.

Diesel 3 €

Warum Diesel gerade so teuer ist

Der Haupttreiber hat einen Namen: der Krieg im Iran. Seit Ende Februar 2026 treiben Angriffe auf Energieinfrastruktur, eingeschränkter Schiffsverkehr und steigende Versicherungsprämien für Tanker die Transportkosten nach oben. Der Preis für Brent-Rohöl kletterte zwischenzeitlich über 110 US-Dollar pro Barrel. Zum Vergleich: Anfang Januar lag er noch deutlich unter 80 Dollar.

Dazu kommt ein Effekt, den viele unterschätzen. Rohöl wird in Dollar gehandelt. Ein schwacher Euro verteuert den Import zusätzlich. Genau dieser doppelte Hebel – steigende Ölpreise bei gleichzeitig schwächerer Heimatwährung – hat im März 2026 mit voller Wucht auf den deutschen Markt durchgeschlagen.

Die CO₂-Abgabe tut ihr Übriges. Seit Januar 2026 wird der CO₂-Preis per Auktion in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne ermittelt. Das bedeutet nochmal rund 3 Cent mehr pro Liter Diesel im Vergleich zum Vorjahr. Klingt wenig? Auf 20.000 Liter Jahresverbrauch sind das 600 Euro – zusätzlich.

3 Euro pro Liter: Panikmache oder realistisches Szenario?

Weder noch. Es ist ein Szenario, das unter bestimmten Bedingungen eintreten kann. Und diese Bedingungen sind weniger unwahrscheinlich, als man denken möchte.

Michael Haberland, Chef des Automobilklubs „Mobil in Deutschland“, hat es kürzlich gegenüber der Bild auf den Punkt gebracht: Steigt der Rohölpreis auf 180 Dollar pro Barrel, bewegen sich die Literpreise an Normaltankstellen in Richtung 3 Euro. An Autobahntankstellen könnte diese Marke sogar überschritten werden.

Der Schlüssel liegt in der Straße von Hormus. Durch diese Meerenge zwischen Iran und Oman fließt etwa ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls. Sollte der Iran diese Route blockieren – sei es durch Minen, Militärpräsenz oder gezielte Angriffe auf Tanker – wären die Folgen sofort spürbar. Energieexperten rechnen in diesem Fall mit Dieselpreisen von 2,50 Euro innerhalb von zwei Wochen. Bei einer monatelangen Blockade? Dann sind 2,80 bis über 3 Euro realistisch.

Was viele vergessen: die CO₂-Abgabe steigt weiter

Selbst wenn sich die Lage im Nahen Osten beruhigt, gibt es einen Preistreiber, der nicht verhandelbar ist. Ab 2028 startet das europäische Emissionshandelssystem ETS 2, das auch Benzin und Diesel erfasst. Der CO₂-Preis könnte dann auf 120 bis 200 Euro pro Tonne steigen.

Was heißt das an der Zapfsäule? Bei 200 Euro pro Tonne bedeutet das eine zusätzliche Belastung von bis zu 60 Cent pro Liter. Rechnet man das auf einen Dieselpreis von aktuell 1,70 Euro (dem Niveau vor der Iran-Krise), landet man bei 2,30 Euro – allein durch die CO₂-Kosten. Kommt dann noch ein angespannter Ölmarkt dazu, sind 3 Euro keine Fantasie mehr.

Der Berliner Klima-Thinktank MCC hat sogar berechnet, dass bei steigender Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen noch deutlich mehr als 200 Euro pro Tonne fällig werden könnten.

Was das für die Landwirtschaft bedeutet

Für einen durchschnittlichen Ackerbaubetrieb mit 200 Hektar fallen pro Jahr zwischen 15.000 und 25.000 Liter Diesel an. Bei den aktuellen 2,29 Euro pro Liter sind das bis zu 57.250 Euro reine Kraftstoffkosten. Bei 3 Euro wären es 75.000 Euro – eine Steigerung von fast 18.000 Euro.

Besonders hart trifft es Lohnunternehmer. Wer mit schwerer Landtechnik – Mähdrescher, Häcksler, Güllefässer – unterwegs ist, verbrennt pro Saison schnell 50.000 Liter und mehr. Jeder Cent mehr pro Liter schlägt hier mit 500 Euro zu Buche.

Immerhin: Die Agrardiesel-Rückvergütung ist seit dem 1. Januar 2026 zurück – in voller Höhe von 21,48 Cent pro Liter. Der Bundestag hatte das im November 2025 beschlossen. Für die Branche bedeutet das eine Entlastung von rund 430 Millionen Euro jährlich. Bei einem Dieselpreis von 2,29 Euro macht das aber gerade mal 9 Prozent aus. Wenn der Liter auf 3 Euro klettert, schrumpft dieser Puffer auf unter 8 Prozent.

Wie sich die Preise seit Jahresbeginn entwickelt haben

ZeitpunktDieselpreis (Bundesdurchschnitt)
Januar 2026ca. 1,70 €
Mitte Februar 2026ca. 1,74 €
Anfang März 2026ca. 2,04 €
23. März 20262,31 € (Jahreshoch)
25. März 20262,29 €

In nur drei Monaten hat sich der Dieselpreis um rund 35 Prozent erhöht. Der ADAC spricht sich inzwischen dafür aus, vorübergehend die Energiesteuer auf Kraftstoffe abzusenken. Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz gesenkt werden – das würde rund 15 Cent Entlastung pro Liter bringen.

Welche Szenarien Experten für die nächsten Monate sehen

Szenario 1 – Entspannung (Wahrscheinlichkeit: ca. 30 %): Der Konflikt wird diplomatisch eingehegt, die Straße von Hormus bleibt offen. Der Dieselpreis fällt binnen Wochen auf 1,80 bis 2,00 Euro zurück. Die Risikoprämie von geschätzt 20 bis 30 Dollar pro Barrel wird ausgepreist.

Szenario 2 – Dauerkrise (Wahrscheinlichkeit: ca. 50 %): Die Spannungen bleiben bestehen, ohne weitere Eskalation. Diesel pendelt sich zwischen 2,20 und 2,50 Euro ein. Für Landwirte heißt das: Kostenplanung auf hohem Niveau, aber kalkulierbar.

Szenario 3 – Eskalation (Wahrscheinlichkeit: ca. 20 %): Eine vollständige Blockade der Hormus-Straße oder ein regionaler Flächenbrand. Rohöl über 150 Dollar, Diesel über 2,80 Euro – mit Ausschlägen über 3 Euro. Die Bundesregierung müsste Notfallpläne aktivieren, Rationierungen wären denkbar.

Was Landwirte jetzt tun können

Wer einen eigenen Hoftank hat, kennt das Dilemma: Jetzt volltanken und auf den Preis setzen – oder abwarten und hoffen, dass es billiger wird? Derzeit spricht mehr für frühzeitiges Bunkern, solange die geopolitische Lage unklar bleibt.

Einige Betriebe setzen verstärkt auf Effizienzmaßnahmen. Reifendruck-Regelanlagen wie Fendt VarioGrip oder Claas CTIC sparen nachweislich zwischen 5 und 15 Prozent Kraftstoff. GPS-gestütztes Fahren reduziert Überlappungen und damit den Verbrauch. Und wer seinen Traktor im optimalen Drehzahlbereich betreibt, holt nochmal ein paar Prozent heraus.

Langfristig werden alternative Antriebe interessanter. Fendt hat mit dem e100 Vario den ersten Elektro-Traktor in Serie, New Holland experimentiert mit Methan-Antrieben. Aber mal ehrlich: Für schwere Zugarbeiten auf dem Acker ist Diesel auf absehbare Zeit nicht zu ersetzen.

ADAC fordert Steuersenkung – kommt sie?

Der ADAC hat sich klar positioniert: Die Energiesteuer auf Diesel sollte vorübergehend auf den EU-Mindeststeuersatz gesenkt werden. Das würde die Belastung um etwa 15 Cent pro Liter reduzieren. Ob die Bundesregierung diesem Vorschlag folgt, ist offen. 2022, als die Preise zuletzt auf Rekordniveau lagen, gab es den Tankrabatt – ein Instrument, das umstritten war, aber kurzfristig entlastete.

Für Landwirte bleibt die wiedereingeführte Agrardiesel-Rückvergütung von 21,48 Cent pro Liter ein wichtiger Baustein. Bei den aktuellen Preisen reicht sie aber bei weitem nicht aus, um die Mehrkosten auszugleichen. Der Bauernverband fordert deshalb bereits weitergehende Maßnahmen.

Weitere Energie-Nachrichten

Energiewirtschaftsgesetz bremst Neubau von Biomethananlagen aus

Die jüngste Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes, die das Bundeskabinett am 25. März beschlossen hat, hat bei Biogasproduzenten für erhebliche Unsicherheit gesorgt. Während die...

Ölpreise steigen: Heizöl wird teurer – Jetzt vorsorgen!

Die jüngsten Entwicklungen auf den internationalen Rohölmärkten haben die Heizölpreise in Deutschland deutlich in die Höhe getrieben. Die Mai-Kontrakte der Nordsee-Ölsorte Brent...

Hackschnitzelpreise stabil trotz steigender Rundholzpreise

Die Preise für Holzhackschnitzel haben im ersten Quartal des Jahres nur geringe Veränderungen erfahren. Trotz steigender Rundholzpreise blieb der Markt für Hackschnitzel...

Diesel bald 3 Euro pro Liter? Was der Preisschock für Landwirte...

2,31 Euro für einen Liter Diesel. So viel mussten Autofahrer und Landwirte am 23. März 2026 im Bundesdurchschnitt bezahlen – nur noch...

Ölpreise stabil: Hoffnung auf Iran-Gespräche und Brent bei $100,50

Die Ölpreise an den internationalen Märkten zeigen derzeit eine Stabilität, die allerdings als vorübergehend angesehen werden könnte. Die aktuellen Heizöl-Notierungen in Deutschland...