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Agrar-Exporte: Hohe Preise kaschieren sinkende Mengen und Defizite

Die deutsche Agrar- und Ernährungsindustrie meldet für 2025 einen bemerkenswerten Erfolg in den Exporten, der jedoch nicht ohne Herausforderungen einhergeht. Der Gesamtwert der Exporte stieg auf beeindruckende 105,2 Milliarden Euro. Diese positive Entwicklung ist jedoch weniger auf gestiegene Mengen zurückzuführen, sondern vielmehr auf die erhöhten Preise der Produkte.

Rückläufige Exportmengen trotz Rekordumsatz

Während die Einnahmen aus dem Export auf ein neues Hoch kletterten, sank die tatsächliche Menge der exportierten Güter um 4,7 % im Vergleich zum Vorjahr. Dies hat zur Folge, dass Deutschland mehr importiert als exportiert. Die Importe beliefen sich bis Oktober 2025 auf 112,9 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 12 % entspricht. Demgegenüber standen Exporte von nur 87,5 Milliarden Euro, was zu einem erhöhten Handelsbilanzdefizit von 25,4 Milliarden Euro führte.

Steigende Kosten belasten Landwirte

Laut Jan-Bernd Stärk von der German Export Association for Food and Agriproducts (Gefa) sind strukturelle Probleme in Deutschland ein wesentlicher Faktor für die Herausforderungen der Branche. Hohe Energiekosten und umfangreiche bürokratische Hürden erschweren es den Landwirten und Unternehmen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Die fehlende Digitalisierung verschärft diese Probleme zusätzlich.

Politische Maßnahmen gefordert

Jan-Bernd Stärk betont die Notwendigkeit politischer Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Nur so könne die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet und der Export weiter gesteigert werden. Hierzu ist eine Reform der bestehenden Rahmenbedingungen erforderlich.

Bedeutung einer effektiven Exportstrategie

Die neue Exportstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wird als Schritt in die richtige Richtung angesehen. Sie umfasst fünf zentrale Handlungsfelder, darunter die Förderung von „Made in Germany“ und die Schaffung offener Märkte. Diese Maßnahmen allein könnten das bestehende Handelsbilanzdefizit jedoch kurzfristig nicht wesentlich verringern.

Kritik an Mercosur-Abkommen

In Bezug auf das bevorstehende Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten äußern Branchenvertreter gemischte Reaktionen. Olivier Kölsch von der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie sieht Potenzial für positive Entwicklungen. Andere Vertreter wie Wolfgang Schleicher vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft warnen vor steigendem Importdruck aus Südamerika.

Anpassung an internationale Standards erforderlich

Tierschutzstandards bei internationalen Transporten sind ein weiteres Anliegen, das Paul Berghuis von Gefa hervorhebt. Ein Fall von erheblichem Tierleid bei einem Rinderschiffstransport verdeutlicht die Notwendigkeit verbindlicher Regelungen im Rahmen des Mercosur-Abkommens.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt Deutschland einer der führenden Exporteure weltweit und rangiert hinter den USA als zweitgrößter Importeur von Agrarprodukten. Die Rückgänge in wichtigen Zielmärkten konnten jedoch nicht vollständig aufgefangen werden, was weiteren Handlungsbedarf signalisiert.

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