Für europäische Landwirte stehen entscheidende Tage bevor: Die Europäische Union plant, das Mercosur-Handelsabkommen mit Südamerika zu unterzeichnen, was weitreichende Auswirkungen auf die Agrarwirtschaft haben könnte. Für viele Betriebe bedeutet dies, sich auf zusätzliche Konkurrenz aus Übersee einzustellen, insbesondere bei Produkten wie Rindfleisch und Zucker, die günstiger importiert werden könnten.
Italien als Schlüsselfaktor für Mercosur
Die Zustimmung Italiens zum Abkommen ist von zentraler Bedeutung. Laut dem italienischen Agrarminister Lollobrigida hat die EU angeboten, die finanziellen Mittel für italienische Landwirte zwischen 2028 und 2034 zu erhöhen. Die italienische Ministerpräsidentin Meloni sieht diese Zusicherung positiv, da sie den Landwirten ihres Landes 45 Milliarden Euro in Aussicht stellt.
Außerordentliches Treffen der EU-Agrarminister
Vor der geplanten Unterzeichnung am 12. Januar in Paraguay hat die EU-Kommission alle 27 Landwirtschaftsminister zu einem außerplanmäßigen Treffen nach Brüssel eingeladen. Deutschland wird durch Staatssekretär Markus Schick vertreten, da Bundesagrarminister Alois Rainer zeitgleich an einem anderen Termin teilnimmt.
Finanzielle Unterstützung und Kontrolle
Agrarkommissar Hansen und Handelskommissar Šefčovič möchten den EU-Agrarministern finanzielle Zusicherungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) geben. Ein Teil dieser Unterstützung könnte aus einem Krisenfonds von 6,3 Milliarden Euro stammen. Zudem steht eine Überprüfung der Importkontrollen im Raum, um Pestizidrückstände besser zu überwachen.
Kritik an Importen und wirtschaftlichen Auswirkungen
Bedenken über den Zustrom billiger Rohstoffe aus Südamerika sind vor allem in Italien und Frankreich verbreitet. Diese Länder hatten ihre Zustimmung zum Abkommen bisher von der Klärung dieser Punkte abhängig gemacht. Da Polen und Ungarn das Abkommen ebenfalls ablehnen und Frankreich skeptisch bleibt, ist Italiens Position ausschlaggebend.
Deutschland unterstützt Freihandel
Trotz der Bedenken setzt die deutsche Regierung auf das Mercosur-Abkommen als Teil ihrer Agrarexportstrategie. Bundesagrarminister Rainer befürwortet das Abkommen aufgrund der vorgesehenen Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft. Er hebt hervor, dass ein freier Handel ohne Hindernisse im Interesse Deutschlands liegt.
Sollte das Mercosur-Abkommen in Kraft treten, würde es die größte Handelszone weltweit schaffen und einen erheblichen Anteil an der globalen Wirtschaft sowie am Warenexport repräsentieren.
