In Baden-Württemberg zeigen aktuelle Zahlen, dass der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel im Jahr 2023 um 12 Prozent im Vergleich zum Referenzzeitraum 2016 bis 2019 reduziert werden konnte. Dies wurde trotz durchschnittlicher Wetterbedingungen erreicht, was den Trend zu einem verminderten Einsatz solcher Mittel unterstreicht. Im Vorjahr, das durch trockenere Bedingungen gekennzeichnet war, lag die Reduktion bei 13 Prozent. Das langfristige Ziel des Bundeslandes sieht eine Verringerung um 40 bis 50 Prozent bis 2030 vor.
Erfolgsmodelle in der Praxis: Demonstrationsbetriebe als Vorreiter
Ein zentraler Bestandteil der Strategie zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln ist ein Netzwerk von 40 Demonstrationsbetrieben aus verschiedenen landwirtschaftlichen Bereichen wie Ackerbau und Obstbau. Diese Betriebe testen unter wissenschaftlicher Begleitung unterschiedliche Ansätze zur Reduktion, darunter neue Pflanzensorten und mechanische Unkrautbekämpfung. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die landwirtschaftliche Beratung ein und bieten praxisnahe Lösungen für Landwirte.
Schlüsselstrategie: Integrierter Pflanzenschutz
Integrierter Pflanzenschutz erweist sich als essenziell für die Reduzierung des chemischen Pflanzenschutzes. Kernstrategien beinhalten eine angepasste Fruchtfolge sowie die Wahl pilzresistenter Sorten, um den Fungizideinsatz zu minimieren. Zudem kommen digitale Prognosemodelle zum Einsatz, die den gezielten und reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ermöglichen.
Kombination aus Forschung und Förderung als Wegbereiter
Für nachhaltige Ergebnisse sind begleitende Maßnahmen notwendig. Förderprogramme im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) unterstützen gezielt die Reduktionsbemühungen. Ein verstärkter Wissenstransfer zwischen Forschung, Praxis und Beratung spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Auch die Züchtung resistenter Sorten wird intensiviert, während der ökologische Landbau zusätzliche Anreize bietet.
Klimawandel als Herausforderung: Anpassungsbedarf wächst
Der Klimawandel bringt neue Schaderreger und extreme Wetterlagen mit sich, weshalb landwirtschaftliche Betriebe ihre Strategien kontinuierlich anpassen müssen. Flexibilität in Wissen, Technik und Management spielt hier eine entscheidende Rolle, um auf unvorhersehbare Herausforderungen schnell reagieren zu können.
Bayerns Beitrag zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln
Bayern verfolgt mit dem Projekt „csPSM“ ebenfalls das Ziel einer Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln bis zum Jahr 2028. Erste Erfolge zeigen sich bereits: In der Gerstenproduktion konnte der Fungizidverbrauch um 25 Prozent, im Weizen sogar um 50 Prozent gesenkt werden – ohne wirtschaftliche Einbußen für die Landwirte.
Fazit: Schrittweise Anpassungen führen zum Erfolg
Pflanzenschutzmittel zu reduzieren ist herausfordernd, aber möglich und lohnenswert. Eine schrittweise Umstellung kann nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Akzeptanz in der Gesellschaft erhöhen und die Resilienz gegenüber politischen Veränderungen stärken.
