Die wirtschaftliche Stimmung unter deutschen Landwirten hat einen neuen Tiefpunkt erreicht, wie das jüngste Rentenbank-Agrarbarometer zeigt. Viele Landwirte stehen vor der Herausforderung, hohe Produktionskosten mit niedrigen Verkaufspreisen zu kombinieren, während sie gleichzeitig mit zunehmender Bürokratie und mangelnder Planbarkeit kämpfen.
Verschlechterung des Agrar-Geschäftsklimas
Laut den Ergebnissen des Rentenbank-Agrarbarometers ist das Agrar-Geschäftsklima von -1,1 auf -2,4 Punkte gesunken. Die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Situation fiel sogar von 1,6 auf -0,1 Punkte, was den niedrigsten Stand seit 2022 darstellt. Diese Zahlen verdeutlichen die zunehmende Unzufriedenheit in der Landwirtschaft.
Besonders betroffen: Ackerbauern und Tierhalter
Die Unzufriedenheit zieht sich durch alle Betriebsformen. Ackerbauern sind am stärksten betroffen, ihre Stimmung liegt bei -2,1 Punkten. Auch Schweine- und Geflügelhalter zeigen eine negative Tendenz. Milchviehhalter bewerteten ihre wirtschaftliche Lage noch relativ positiv mit 3,1 Punkten auf einer Skala bis 8 Punkte; allerdings lag dieser Wert im September noch bei 5 Punkten.
Getreidepreise enttäuschen trotz guter Ernte
Zwar sind die Verkaufspreise für tierische Erzeugnisse und das Ernteergebnis positiv zu bewerten, doch belasten hohe Betriebsmittelpreise und niedrige Preise für pflanzliche Produkte die Landwirte weiterhin deutlich. Während im September noch 79 % der Befragten ihre Lage als befriedigend oder besser einschätzten, sind es nun nur noch 73 %.
Anhaltende Liquiditätsprobleme
Ein weiteres Problem sind Liquiditätsengpässe: Jeder fünfte Landwirt bewertet seine finanzielle Situation als kritisch. Nur 38 % fühlen sich in Bezug auf Liquidität sicher – ein deutlicher Rückgang gegenüber Anfang 2025, als mehr als die Hälfte der Betriebe eine gute Liquidität meldete.
Zukunftsaussichten und Investitionsbereitschaft
Die Prognosen für die nächsten zwei bis drei Jahre sind verhalten: Die Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage sank von -3,7 auf -4,6 Punkte. Steigende Betriebsmittelpreise und bürokratische Anforderungen sowie eine kritische Haltung gegenüber der Agrarpolitik trüben den Ausblick. Fast die Hälfte der Befragten sieht ihre Zukunftsaussichten negativ.
Trotz allem: Investitionen laufen weiter
Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Investitionsbereitschaft bestehen: 78 % der Landwirte gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten investiert zu haben, wenn auch mit geringerem Volumen. Maschinen für die Außenwirtschaft sowie landwirtschaftliche Flächen standen dabei im Fokus. In den nächsten zwölf Monaten planen 62 % weitere Investitionen.
Forderungen nach mehr Planungssicherheit
Nikola Steinbock vom Vorstand der Rentenbank hebt hervor, dass Landwirte bereit sind zu wachsen und ihre Betriebe langfristig wettbewerbsfähig zu machen. Dennoch fehlen größere Investitionen aufgrund fehlender Planungssicherheit und bürokratischer Hürden. Steinbock betont die Notwendigkeit einer besseren Wertschätzung für landwirtschaftliche Produkte – diese sollte sich auch in fairen Ladenpreisen widerspiegeln.
