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Schilf-Glasflügelzikade bedroht Europas Pflanzen: Neue Wirtspflanzen entdeckt

Die Schilf-Glasflügelzikade stellt eine größere Bedrohung für die Landwirtschaft dar, als bisher angenommen. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der Schädling nicht nur Zuckerrüben, sondern auch Wildkräuter und Dauerkulturen als Wirtspflanzen nutzt. Dies ermöglicht dem Insekt, sich in der Agrarlandschaft nahezu ungehindert zu vermehren und bakterielle Krankheiten wie Stolbur zu verbreiten.

Erweiterter Wirtspflanzenkreis

Der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer berichtete, dass erstmals Wild- und Unkräuter sowie Dauerkulturen und andere Kulturpflanzen als Nahrungsquelle des Insekts identifiziert wurden. Diese Erkenntnisse verändern das bisherige Bild eines spezialisierten Schädlings grundlegend. Bereits seit 2022 gilt die Kartoffel als weitere Wirtspflanze, was die Rolle der Zikade als Überträger schwerer Pflanzenkrankheiten unterstreicht.

Neue Erregerstämme entdeckt

Laut dem Verband wurde ein neuer Erregerstamm, verwandt mit Stolbur, in Rhabarber und Spargel nachgewiesen. Dieser Stamm wird in Deutschland ausschließlich durch die Schilf-Glasflügelzikade verbreitet. Während Spargel bisher keine deutlichen Schadbilder zeigt, wurden im Rhabarber in bestimmten Regionen erhebliche Ertragseinbußen festgestellt.

Potentielle Wirtspflanzen und ihre Risiken

Zusätzliche Beobachtungen legen nahe, dass auch Erdbeeren potenzielle Wirte für diese Erreger sein könnten. Ein wissenschaftlicher Nachweis steht noch aus. Mindestens ein Erreger wurde bereits in Pflanzen wie Löwenzahn, Bingelkraut und Ackerkratzdistel gefunden. Larven der Zikade konnten ebenfalls an diesen Pflanzen entdeckt werden, was auf eine erfolgreiche Vermehrung hinweist.

Schnelles Handeln erforderlich

Dr. Christian Lang vom Verband betonte die hohe Anpassungsfähigkeit des Insekts und sieht darin eine Veränderung der Risikobewertung. Helen Pfitzner warnte vor einer systemischen Gefahr für den europäischen Acker- und Gemüsebau innerhalb des nächsten Jahrzehnts. Die neuen Erkenntnisse zeigen die Notwendigkeit zeitnaher Lösungen.

Um der Bedrohung entgegenzutreten, haben verschiedene Akteure Initiativen ergriffen. Zwei große Forschungsverbünde wurden beantragt: ein europäisches Konsortium mit 24 Institutionen sowie ein weiteres mit 21 Institutionen beim Bundesforschungsministerium. Ziel ist es, wissenschaftliche Untersuchungen sowie Gegenmaßnahmen zügig zu koordinieren und umzusetzen. Diese Projekte werden maßgeblich von den Zuckerrübenanbauern in Hessen und Rheinland-Pfalz unterstützt.

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