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Kalken gegen saure Böden: So sichern Landwirte Erträge und Qualität

Die Herausforderungen der Landwirtschaft nehmen zu: Dürreperioden, Starkregenereignisse und Bodenerosion setzen der Bodenfruchtbarkeit erheblich zu. Besonders betroffen ist etwa die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Deutschland, die hinsichtlich ihres pH-Wertes suboptimal versorgt sind. Trotzdem sind Landwirte nicht ohne Handhabe gegen diese Entwicklungen.

Die Bedeutung des pH-Wertes in der Landwirtschaft

Experten schätzen, dass rund 50% der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland hinsichtlich des pH-Wertes in den Versorgungsstufen A oder B liegen, was auf eine Säureüberlastung hindeutet. Diese Gegebenheit hat erhebliche Auswirkungen auf die Erträge und Qualitäten der angebauten Kulturen.

Laut Professorin Ute Kropf von der HAW Kiel wird die Versauerung der Böden durch Prozesse wie Wurzelatmung und Nährstoffaufnahme verursacht. Auch auf ungenutztem Grünland tritt dieser Effekt auf. Niederschläge, insbesondere Starkregen, tragen ebenfalls zur Calciumverlagerung in tiefere Bodenschichten bei, mit Verlusten von bis zu 800 kg CaO pro Hektar jährlich. Ein weiterer beeinflussbarer Faktor ist die Verwendung saurer Düngemittel.

Calcium: Mehr als nur ein pH-Stabilisator

Calcium spielt nicht nur eine Rolle bei der Regulierung des pH-Wertes, sondern ist auch ein essenzieller Pflanzennährstoff. Pflanzen können Calcium nicht von älteren auf neuere Blätter umverteilen, weshalb konstante Verfügbarkeit entscheidend ist. Eine gute Versorgung mit Calcium kann zudem das Infektionsrisiko senken, wie beispielsweise bei Wintergerste nachgewiesen wurde.

Kropf empfiehlt regelmäßige Kalkungen, um den Boden optimal zu versorgen. Auf bestimmten Standorten kann eine Frühjahrskalkung sinnvoll sein, während ansonsten die Stoppelkalkung bevorzugt wird. Bei Fruchtfolgekulturen sollte die Kalkung auf die am meisten kalkbedürftige Kultur abgestimmt werden.

Optimierung der Kalkverteilung

Die Anwendung von Düngekalken könnte effizienter gestaltet werden, meint Ulrich Lossie von Deula Nienburg. Obwohl die Ausbringmenge pro Hektar oft korrekt ist, mangelt es an einer gleichmäßigen Verteilung pro Quadratmeter. Streifenbildung auf Feldern ist ein häufiges Problem.

Lossie identifiziert zwei Hauptursachen: Zum einen verändert sich durch unsachgemäße Lagerung und Witterungseinflüsse die Konsistenz des Kalks, was die Streuweite beeinflusst. Zum anderen sind Verschleiß und Anhaftungen an Streuaggregaten problematisch. Vermietete Maschinen sind besonders anfällig für solche Mängel.

Kalken im Grünland-Management

Ein optimaler pH-Wert ist im Grünland entscheidend für hochwertige Futtermittelproduktion. Hans Koch aus Tirol betont die Wichtigkeit eines ausgeglichenen pH-Werts für eine artenreiche Grasnarbe und hohe Milchleistung von Weidekühen.

Koch rät davon ab, Nachsaaten auf stark abweichenden pH-Werten durchzuführen, da dies wenig erfolgversprechend sei. Bei den aktuellen klimatischen Bedingungen sei sogar ein zusätzlicher Schnitt möglich, wenn der pH-Wert stimmt. Koch empfiehlt daher auch auf Sandböden einen Ziel-pH-Wert von 5,8 und jährliche Kalkgaben.

Ein höherer Anteil an Leguminosen verbessert nicht nur das Nährstoffangebot im Boden, sondern wirkt sich positiv auf den CO2-Fußabdruck aus – ein Faktor von wachsender Bedeutung für Milchverarbeiter.

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