Inmitten eines Jahres, das von Trockenheit geprägt war, standen Landwirte in der Getreideanbau-Saison 2025 vor einer unerwarteten Herausforderung: Der Krankheitsdruck war ungewöhnlich niedrig. Diese Situation brachte zwar eine Schonung der Wirkstoffe mit sich, könnte jedoch dazu führen, dass im kommenden Jahr das Resistenzmanagement vernachlässigt wird. Die Notwendigkeit eines robusten Managements bleibt bestehen, da auch in Zukunft keine neuen fungiziden Wirkstoffe zu erwarten sind. Stattdessen entstehen durch Neukombinationen von bestehenden Substanzen neue Produkte.
Veränderungen im Produktportfolio 2026
Im Jahr 2026 werden Landwirte keine neuen fungiziden Wirkstoffe auf dem Markt sehen. Dennoch gibt es Bewegung in der Produktlandschaft durch innovative Kombinationen bereits zugelassener Substanzen. Ein Beispiel ist das Einführung von Cayunis, einem Prothioconazol-freien Produkt, das Bixafen, Spiroxamine und Trifloxystrobin enthält. Dieses Präparat eignet sich besonders zur Bekämpfung von Netzflecken und wird oft zusammen mit Siltra Xpro eingesetzt, um die Effektivität zu erhöhen.
Ein weiteres neues Produkt ist Jessico One mit Fenpicoxamid als Hauptbestandteil. Es wird als Duo-Pack zusammen mit Silvron angeboten und kombiniert somit drei starke Wirkstoffe gegen Septoria tritici ohne Prothioconazol. Ab BBCH 41 kann dieser Mix eingesetzt werden.
Die Bedeutung eines effektiven Resistenzmanagements
Trotz des geringen Krankheitsdrucks in 2025 bleibt es entscheidend, an der Resistenzstrategie festzuhalten. Insbesondere bei Septoria tritici ist die Resistenzlage kritisch, da hohe Wirkungsgrade nicht mehr erwartet werden können. Untersuchungen zeigen, dass Azole wie Prothioconazol und Mefentrifluconazol bislang keine Kreuzresistenzen aufweisen. Um deren Wirksamkeit zu bewahren, wird empfohlen, sie abwechselnd anzuwenden und den Kontaktwirkstoff Folpet hinzuzufügen.
Fenpicoxamid (Inatreq) gilt derzeit als stärkster Wirkstoff gegen Septoria tritici und hat aufgrund seiner hohen Sensitivität noch keine Mutationen entwickelt. Dies unterstreicht die Bedeutung eines strikten Resistenzmanagements.
Krankheitsbekämpfung: Von Braunrost bis Mehltau
Die Kontrolle des Braunrosts war im vergangenen Jahr aufgrund der trockenen Bedingungen einfacher als zuvor. Durch eine gezielte Anwendung konnten Infektionen erfolgreich eingedämmt werden. Auch wenn der Braunrost im Roggen nach der Blüte auftrat, blieb der Einfluss auf den Ertrag minimal.
Der Gelbrost entwickelte sich relativ ruhig und zeigte kaum Befallssymptome. In Großbritannien hingegen gab es Berichte über einen erhöhten Gelbrostbefall aufgrund nachlassender Sortenresistenz beim Resistenzgen Yr15. Dies könnte potenziell auch deutsche Bestände betreffen, wenn ähnliche Bedingungen auftreten.
Echter Mehltau bleibt eine Herausforderung in Weizen und Triticale aufgrund verschiedener Mutationen. Dennoch sind Cyflufenamid (Vegas Plus) und Spiroxamine wirksame Optionen zur Bekämpfung dieser Krankheit.
Zukünftige Herausforderungen bei Ramularia und Netzflecken
Obwohl Ramularia im vergangenen Jahr nur selten auftrat, ist weiterhin Vorsicht geboten. Frühere Studien zeigen, dass frühe fungizide Maßnahmen spätere Infektionen bremsen können. Daher sollten ertragreiche Standorte gezielt behandelt werden.
Netzflecken stellten in der letzten Saison kein großes Problem dar; dennoch bleibt die Verfügbarkeit von Wirkstoffen eingeschränkt. Eine gezielte Anwendung von Prothioconazol und Cyprodinil bleibt wesentlich für ihre Kontrolle.
Fazit: Vorsicht statt Nachlässigkeit
Das Jahr 2025 bot Landwirten die Möglichkeit zum Durchatmen hinsichtlich des Krankheitsdrucks im Getreideanbau. Dennoch darf dies nicht dazu verleiten, im Resistenzmanagement nachzulassen. Denn nur durch konsequente Maßnahmen lassen sich langfristig Ertragsausfälle vermeiden und die Effizienz bestehender Wirkstoffe sichern.
