Die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) haben in der Landwirtschaft an Bedeutung gewonnen. Beim Ackerbauforum der Deutschen Saatveredlung (DSV) in Bad Sassendorf standen diese Themen im Mittelpunkt, da sie immer mehr Einfluss auf die tägliche Arbeit der Landwirte haben.
Landwirte setzen verstärkt auf KI
Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) beschäftigen sich mittlerweile 47 % der landwirtschaftlichen Betriebe mit KI, während 9 % diese bereits aktiv nutzen. Frank Trockels, Moderator des Forums, hob hervor, dass KI für viele Landwirte bereits zum Alltag gehört. Die Technologie wird eingesetzt, um Pflanzenkrankheiten und Unkräuter zu identifizieren, Wettervorhersagen zu erstellen und administrative Aufgaben zu erleichtern.
Der Drang zur Digitalisierung
Betriebsleiter Andreas Dörr ist ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung und KI. Er bewirtschaftet große Flächen in Unterfranken und Thüringen. Aufgrund des hohen administrativen Aufwands nutzt er digitale Lösungen, um seine Betriebe effizienter zu verwalten. Obwohl kommerzielle Ackerschlagkarteien nicht immer seinen Anforderungen entsprachen, hat Dörr eigene Softwarelösungen entwickelt, darunter selbstgebaute Tools auf Excel-Basis.
Vernetzter Betrieb durch digitalen Zwilling
Dörr hat einen digitalen Zwilling seines Betriebs erstellt, um die Übersicht über alle Aspekte zu behalten. In einer GIS-Anwendung sind alle Gebäude und Flächen mit relevanten Informationen hinterlegt. Diese umfassen unter anderem Auflagen, Wildschäden und geografische Besonderheiten wie Felsen oder nasse Senken. Controlled Row Farming und Drohnenbilder zur Analyse von Wasserverfügbarkeit und Sonneneinstrahlung sind ebenfalls Teil seiner Strategie.
- Daten werden in der Cloud gespeichert.
- Mitarbeiter können mobil auf Informationen zugreifen.
- Datenschutz wird durch eine 2-Faktor-Authentifizierung gesichert.
Smart Farm: Digitalisierung in allen Bereichen
Dörrs gesamte Infrastruktur ist vernetzt: Von der Überwachung des Getreidelagers bis hin zur Kontrolle von Hoftoren – alles ist digitalisiert. Er beschreibt seine Betriebsstruktur als „Smart Home“ auf dem Hof. Hierbei kommen einfache Sensoren zum Einsatz, die vom Hof-Elektriker installiert wurden.
Künstliche Intelligenz in der Beratung
Ein weiterer Schritt hin zur Digitalisierung ist die Anwendung Smartfield.AI, die eigenständige Empfehlungen zur Düngung und zum Pflanzenschutz geben kann. In einem Versuch trat die KI gegen Empfehlungen eines menschlichen Beraters an. Dabei zeigte sich eine interessante Kosten-Nutzen-Bilanz: Während die Erträge leicht hinter denen des Beraters zurückblieben, waren die variablen Kosten aufgrund weniger Überfahrten niedriger.
Zukunftsaussichten für KI in der Landwirtschaft
Laut Dr. Gregor Heine von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen waren die Ergebnisse praxisgerecht, jedoch gibt es noch Verbesserungspotenzial bei spezifischen Bedingungen wie späten Saatterminen oder den Roten Gebieten. Künftig sollen auch Sortenwahl und Aussaattermine durch KI bestimmt werden können. Thomas Ludowicki betonte jedoch, dass menschliche Expertise weiterhin unverzichtbar ist, da eine KI auch Fehler machen kann.
Die fortschreitende Digitalisierung bietet Landwirten sowohl Herausforderungen als auch Chancen für effizientere Betriebsabläufe und nachhaltigere Anbaumethoden.
