Die Diskussion um die Eigentumsverhältnisse in der deutschen Landwirtschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung. Auch wenn Landwirte nicht auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen auftauchen, zeigt sich eine zunehmende Konzentration von landwirtschaftlichen Flächen in den Händen großer außerlandwirtschaftlicher Investoren. Diese Agrarholdings werden oft von Unternehmen aus Industrie und Handel finanziert, was die traditionelle Landwirtschaft vor neue Herausforderungen stellt.
Wachsende Bedeutung von Agrarholdings
Laut der Landwirtschaftszählung 2020 des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind von den insgesamt 262.800 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland etwa 10.200 als juristische Personen oder Personengesellschaften registriert. Von diesen gehören rund 3.700 zu Unternehmensgruppen, die als Agrarholdings bekannt sind. Diese Holdings bewirtschaften eine enorme landwirtschaftliche Fläche von 1,84 Millionen Hektar, was mehr als 11 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands ausmacht.
Konzentration im Osten Deutschlands
Besonders auffällig ist die Konzentration dieser Großunternehmen im Osten Deutschlands, wo sie je nach Bundesland zwischen 19 und 37 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaften. Die Eigentümer dieser Holdings sind häufig Milliardäre oder Multimillionäre aus verschiedenen Branchen außerhalb der Landwirtschaft, wie zum Beispiel dem Versicherungs- und Bauwesen.
Finanzstarke Akteure hinter den Holdings
Bekannte Namen hinter diesen großen Landbesitzern sind unter anderem das Pharmaunternehmen Merkle, der Heiztechnik-Hersteller Viessmann und Einzelhändler Aldi Nord. Ein prominentes Beispiel ist die Deutsche Agrar Holding (DAH), die nach dem Zusammenbruch des börsennotierten Großunternehmens KTG-Agrar einen Großteil seiner Flächen übernahm. Die DAH gehört zur Gustav Zech Stiftung, einer Bau- und Beteiligungsfirma mit Sitz in Bremen.
EU-Direktzahlungen als Finanzierungsquelle
Ein wesentlicher Aspekt beim Erwerb von Ackerland durch Agrarholdings sind die EU-Direktzahlungen, die alle landwirtschaftlichen Betriebe erhalten. Im Jahr 2019 erhielt die DAH rund 5,36 Millionen Euro an EU-Agrarsubventionen. Auf Platz zwei folgte die Lindhorst-Gruppe mit Direktzahlungen in Höhe von etwa 3,38 Millionen Euro für ihre Tochterunternehmen.
Tierhaltungsinvestitionen im Visier
Neben dem Erwerb von Ackerland investieren viele Agrarholdings auch in die Tierhaltung, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern. Dort halten sie zwischen 23 und 38 Prozent aller Tiere in Großvieheinheiten (GV). Auch im Westen Deutschlands haben sie erhebliche Bestände, obwohl ihr Anteil relativ geringer ist.
Diese Entwicklungen werfen Fragen zur Zukunft der traditionellen Landwirtschaft auf und verdeutlichen die Notwendigkeit einer transparenten Debatte über Landnutzung und Eigentumsverhältnisse in Deutschland.
