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Wartungskosten im Vergleich: Was Traktoren wirklich kosten

Ein niedersächsischer Landwirt hat nachgerechnet: Sein Claas Arion kostet ihn 52,40 Euro pro Betriebsstunde. Der vergleichbare Fendt? 56,50 Euro. Bei 700 Jahresstunden macht das über 2.800 Euro Unterschied – pro Jahr. Doch der Kaufpreis ist nur ein Teil der Wahrheit. Wir zeigen, welche Kosten wirklich zählen.

Die Frage „Fendt oder John Deere?“ erhitzt die Gemüter auf jedem Stammtisch. Doch wer rational entscheiden will, braucht Zahlen. Und die erzählen eine andere Geschichte als das Bauchgefühl.

Was ein Traktor pro Stunde wirklich kostet

Die Gesamtkosten eines Traktors setzen sich aus fixen und variablen Kosten zusammen. Die fixen Kosten fallen an, ob der Schlepper läuft oder nicht – Abschreibung, Zinsen, Versicherung. Die variablen Kosten steigen mit jeder Betriebsstunde: Diesel, Reparaturen, Verschleiß.

Ein Praxisbeispiel aus der Fachpresse zeigt den Vergleich dreier 160-PS-Traktoren bei 700 Jahresstunden und acht Jahren Nutzungsdauer:

Claas Arion 630: 52,40 €/Stunde (36.646 €/Jahr)
John Deere 6155R: 53,10 €/Stunde (37.142 €/Jahr)
Fendt 716 Vario: 56,50 €/Stunde (39.538 €/Jahr)

Der Fendt ist also gut 4 Euro pro Stunde teurer als der Claas. Bei Vollauslastung summiert sich das über acht Jahre auf rund 22.000 Euro Differenz.

Wo die Kosten entstehen

Die Stundenkosten verteilen sich auf verschiedene Posten – und nicht alle Hersteller schneiden dabei gleich ab.

Fixkosten: Nicht nur der Neupreis zählt

Die jährlichen Fixkosten unterscheiden sich erheblich. Laut KTBL-Kalkulation:

Claas: 8.447 €/Jahr (12,10 €/Stunde)
John Deere: 8.944 €/Jahr (12,80 €/Stunde)
Fendt: 11.340 €/Jahr (16,20 €/Stunde)

Die Neupreise liegen bei 145.500 Euro (Claas Arion 630), 142.000 Euro (John Deere 6155R) und 161.000 Euro (Fendt 716 Vario). Doch der Neupreis allein erklärt die Unterschiede nicht. Entscheidend ist die effektive Zuzahlung nach Inzahlungnahme des Gebrauchtschleppers. In diesem Praxisbeispiel bot der Claas-Händler den besten Rücknahmepreis (71.000 €), der Fendt-Händler den niedrigsten (58.400 €). Dadurch verschiebt sich die Rechnung zugunsten des Claas – trotz höherem Neupreis als beim John Deere.

Variable Kosten: Hier sind alle gleich – theoretisch

Bei den variablen Kosten orientieren sich Kalkulationen meist an KTBL-Richtwerten. Die durchschnittlichen Reparaturkosten liegen bei etwa 6,30 Euro pro Betriebsstunde. Der Dieselverbrauch wird bei vergleichbaren Modellen mit etwa 14 Litern pro Stunde angesetzt.

In der Praxis sieht das oft anders aus. Erfahrene Praktiker berichten von Reparaturkosten zwischen 3 und 10 Euro pro Stunde – je nach Marke, Baujahr und Pflegezustand.

Werkstattkosten: Was eine Stunde Arbeit kostet

Die Werkstattrechnung ist oft der größte Schock. Laut einer Erhebung des LandBauTechnik-Bundesverbands von 2024 liegt der Stundenverrechnungssatz in Landmaschinenwerkstätten zwischen 71 und 113 Euro – vor Mehrwertsteuer.

Aus diesen Posten setzt sich eine Werkstattstunde zusammen:

  • Lohn des Mechanikers: 17–25 Euro
  • Gebäudekosten (Halle, Lager): 7,50–11 Euro
  • Werkstattausstattung (Diagnosetechnik, Hebebühne): 5–7 Euro
  • Bereitschaftsdienst (Wochenende, Feiertage): 8–13 Euro
  • Fahrzeuge und Werkzeug: 4–6 Euro
  • Verwaltung und Unternehmergewinn: 10–16 Euro
  • Sonstiges (Energie, Versicherung, Reinigung): 10–15 Euro

Vertragswerkstätten der großen Hersteller liegen meist am oberen Ende dieser Spanne. Freie Werkstätten sind günstiger – haben aber nicht immer Zugang zu herstellerspezifischer Diagnose-Software.

Restwert: Hier punktet Fendt

Was beim Kauf schmerzt, zahlt sich beim Verkauf aus. Premium-Marken wie Fendt, aber auch Deutz und in Teilen John Deere, gelten als besonders wertbeständig.

Nach acht Jahren und 5.600 Betriebsstunden kalkuliert das Praxisbeispiel folgende Restwerte:

Fendt 716 Vario: 85.817 € (53 % des Neupreises)
Claas Arion 630: 79.480 € (55 % des Neupreises)
John Deere 6155R: 78.050 € (55 % des Neupreises)

Prozentual verlieren alle drei Modelle etwa gleich viel. Der absolute Restwert des Fendt ist höher – aber das relativiert die höheren Anschaffungskosten nur teilweise.

Entscheidend für den Restwert sind Zustand und Betriebsstunden. Gut gepflegte Maschinen mit dokumentierter Wartungshistorie erzielen deutlich bessere Preise. Ein schlecht gewarteter Traktor kann innerhalb des ersten Nutzungsdrittels auf die Hälfte des Neupreises fallen.

Versteckte Kostenfallen

Nicht alle Kosten stehen auf der Rechnung. Diese Faktoren werden oft unterschätzt:

Auslastung entscheidet

Je weniger Stunden ein Traktor läuft, desto teurer wird jede einzelne. Bei nur 500 Jahresstunden statt 700 steigen die Fixkosten pro Stunde um gut 40 Prozent. Deshalb kann ein gebrauchter Traktor für Betriebe mit geringer Auslastung die wirtschaftlichere Wahl sein.

Der Fahrer macht den Unterschied

Aus Praxisdaten stammt die Faustzahl: Die Fähigkeit des Fahrers macht etwa 3.000 Euro Kosten- und Leistungsunterschied pro Jahr aus. Sachgerechter Umgang, vorausschauendes Fahren und regelmäßige Pflege wirken sich stärker auf die Gesamtkosten aus als die Wahl der Marke.

Händler und Werkstatt

Die Entfernung zur nächsten Fachwerkstatt, die Qualität der Beratung und die Reaktionszeit bei Ausfällen in der Saison – all das fließt nicht in Excel-Tabellen ein, entscheidet aber über Stillstandzeiten und Folgekosten.

Leerlaufkosten

Ein Traktor, der bei Pausen im Leerlauf weiterläuft, kostet Geld. Bei geschätzten 10 Prozent Leerlaufanteil und 30 Euro Mietpreis pro Stunde summiert sich das über 10.000 Betriebsstunden auf 30.000 Euro – nur für das Laufenlassen.

Neu oder gebraucht?

Die Faustregel: Bei weniger als 800 Jahresstunden rechnet sich ein Neukauf selten. Ein gut erhaltener Gebrauchter mit 3.000 bis 5.000 Betriebsstunden kann die wirtschaftlichere Wahl sein – vorausgesetzt, Wartungshistorie und Zustand stimmen.

Traktoren sind für etwa 10.000 Betriebsstunden ausgelegt. Bei sorgfältiger Pflege erreichen viele Maschinen auch 12.000 bis 15.000 Stunden. Der Wertverlust ist im ersten Drittel der Nutzungsdauer am höchsten – ein Grund, warum junge Gebrauchte oft ein schlechtes Geschäft sind.

Die Marktlage 2025

Der deutsche Traktormarkt ist 2025 deutlich geschrumpft. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldet für 2025 nur noch 25.711 Neuzulassungen – ein Rückgang von über 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Marktanteile sprechen eine klare Sprache: Fendt führt mit 6.315 zugelassenen Traktoren und einem Marktanteil von rund 25 Prozent. John Deere folgt mit deutlichem Abstand auf Platz zwei (etwa 4.260 Einheiten), dahinter Claas, Deutz-Fahr und Kubota.

Die Nachfrage nach Gebrauchten bleibt hoch. Wer verkaufen will, findet Abnehmer – zumindest bei den gängigen Marken. Exoten und Nischenmodelle stehen länger.

Checkliste: So kalkulieren Sie richtig

Vor dem Traktorkauf sollten Sie diese Fragen klären:

  • Wie viele Betriebsstunden pro Jahr sind realistisch?
  • Wie lange wollen Sie den Traktor nutzen?
  • Welchen Restwert können Sie erwarten? (KTBL-Rechner nutzen)
  • Was kostet die Werkstattstunde beim nächsten Händler?
  • Können Sie Wartungsarbeiten selbst erledigen?
  • Bietet der Händler Ersatzmaschinen bei Ausfall?
  • Welche Finanzierungskonditionen gibt es?

Das KTBL bietet mit der kostenlosen Web-Anwendung „MaKost“ eine gute Grundlage für Kostenkalkulationen. Die Werte sind Durchschnittswerte – individuelle Abweichungen sind normal.

Fazit: Der billigste Traktor ist nicht der günstigste

Wer nur auf den Kaufpreis schaut, rechnet falsch. Die wahren Kosten entstehen über Jahre hinweg – durch Wertverlust, Diesel, Reparaturen und Wartung. Ein teurer Traktor mit niedrigen Folgekosten und hohem Restwert kann am Ende günstiger sein als ein Schnäppchen mit ständigen Werkstattbesuchen.

Die wichtigste Erkenntnis aus allen Vergleichen: Der Fahrer und die Pflege haben mehr Einfluss auf die Gesamtkosten als die Marke. Wer seinen Traktor kennt, ihn sachgerecht einsetzt und regelmäßig wartet, spart mehr als durch die Wahl des günstigsten Angebots.


Stand: Januar 2026. Alle Kostenangaben sind Richtwerte und können je nach Region, Ausstattung und individueller Nutzung abweichen. Für verbindliche Kalkulationen empfehlen wir die Nutzung der KTBL-Datenbanken.

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