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Schweizer Milchüberfluss: Bauern kämpfen mit Einkommensverlusten

Die Schweizer Milchproduktion steht vor einer großen Herausforderung: Eine Überproduktion führt zu erheblichen Engpässen in der Verarbeitung. Die Molkereien sind mit der Verarbeitung der 10 % zusätzlichen Milch, die auf den Markt kommt, überfordert. Dies führt zu langen Warteschlangen von Tanklastern vor den Produktionsstätten, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet.

Engpässe im Transport und Verarbeitung

Vor dem Emmi-Werk in Dagmersellen stauen sich die silbern glänzenden Tanklaster. Einige Fahrer sehen sich gezwungen, alternative Molkereien anzufahren, um eine Verderbnis der Milch zu verhindern. Eine Sprecherin von Emmi hat bestätigt, dass die Kapazitäten ausgereizt sind. Trotz zusätzlicher Einstellungen und Sonderschichten reicht die aktuelle Infrastruktur nicht aus, um das Volumen zu bewältigen.

Ursachen für die Überproduktion

Die Wurzel des Problems liegt in der außergewöhnlichen Qualität des Futters, das im vergangenen Sommer und Herbst geerntet wurde. Laut NZZ war das Heu und Silofutter so nährstoffreich wie selten zuvor. Diese hohe Futterqualität hat zu einer gesteigerten Milchleistung der Kühe geführt.

Maßnahmen zur Bewältigung der Krise

Die Branchenorganisation Milch (BO Milch) hat angekündigt, Erzeugern Abschläge anzudrohen, sollten sie mehr Milch liefern als im Vorjahr. Damit will man verhindern, dass große Mengen ungenutzt entsorgt werden müssen. Zudem wird diskutiert, den Anteil an heimischen Produkten im Handel zu erhöhen und ausländische Käse- und Joghurtprodukte durch solche aus Schweizer Produktion zu ersetzen.

Einschränkungen im Handel

Hersteller und Händler betonen ihre Bemühungen zur Unterstützung der Situation, verweisen jedoch auf bestehende Verpflichtungen gegenüber langfristigen Lieferantenverträgen. Die Supermarktkette Migros plant gezielte Aktionen zur Förderung des Absatzes von Schweizer Milchprodukten.

Ökonomische Auswirkungen auf Landwirte

Ab dem 1. Februar soll der Milchpreis für elf Monate gesenkt werden, was die Einkommen der Bauern weiter schmälert. Ein durchschnittlicher Betrieb könnte dadurch etwa 10.700 € verlieren. Zusätzlich wird ein größerer Anteil ihrer Produktion als B- und C-Milch klassifiziert, was ebenfalls negative finanzielle Folgen hat.

Pulverisierung und Exportüberschüsse

Um mit dem Überschuss umzugehen, wird ein Teil der Milch zu Pulver und Butter verarbeitet. Diese Produkte könnten dann auf dem Weltmarkt verkauft werden, insbesondere in Regionen wie dem Nahen Osten und Nordafrika, die stark auf Importe angewiesen sind.