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Milchpreise im Sinkflug: Expertenanalyse zum künftigen Rohstoffkampf

Die Milchpreise sind in den letzten Monaten erheblich unter Druck geraten. Trotz der schwierigen Marktlage besteht laut Dr. Hans-Jürgen Seufferlein, Geschäftsführer beim Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB), weiterhin ein Wettbewerb um den Rohstoff Milch.

Ursachen für den Preisverfall

Dr. Seufferlein führt die sinkenden Milchpreise auf mehrere Faktoren zurück. Eine gute Futtergrundlage und verspätete Kalbungen, bedingt durch die Blauzungenkrankheit im Jahr 2024, haben zu höheren Fettgehalten geführt. Zudem wird weltweit mehr Milch produziert, was in nahezu allen bedeutenden Milchregionen zu beobachten ist. Geopolitische Einflüsse spielen ebenfalls eine Rolle. Die Intensität des Preisverfalls hat die Branche überrascht, obwohl viele Informationen seitens der Wertschöpfungskette eingeholt wurden. Diese Entwicklungen unterstreichen die Bedeutung einer sorgfältigen Mengenplanung, wie sie in der Sektorstrategie Milch 2030 vorgesehen ist.

Regionale Unterschiede im Preisrückgang

Der Preisverfall ist regional unterschiedlich ausgeprägt. In Süddeutschland fiel er geringer aus, was Dr. Seufferlein auf das Verwertungsportfolio der Milchverarbeiter zurückführt. Während Unternehmen in Schleswig-Holstein stark von Weltmarktpreisen abhängig sind, haben süddeutsche Molkereien durch Verträge und einen hohen Anteil an Markenprodukten den Preisrückgang besser abfedern können.

Auswirkungen auf die Butterpreise

Der Handel hat die Butterpreise kürzlich drastisch gesenkt, was langfristig Einfluss auf die Milchpreise haben kann. Kurzfristige Preisanpassungen bei Butter sind weniger entscheidend als die längeren Laufzeiten von Eigenmarken-Verträgen im weißen oder gelben Sortiment, die oft sechs Monate bis ein Jahr dauern.

Aussichten auf steigende Preise

Trotz erster positiver Signale zu Jahresbeginn bleibt die Unsicherheit groß. Die Marktbedingungen in der EU ändern sich grundlegend im Vergleich zu früheren Jahrzehnten, als jährliche Produktionssteigerungen normal waren. Der Wettbewerb um Milch mit höheren Standards ist zur Norm geworden, doch es bleibt fraglich, ob Markt und Verbraucher bereit sind, diese Anforderungen finanziell angemessen zu honorieren.