Die diesjährige Kartoffelernte fällt umfangreich aus, doch die Nachfrage ist schwach. Entsprechend niedrig sind die aktuellen Marktpreise. Für landwirtschaftliche Betriebe eröffnet sich damit die Möglichkeit, überschüssige Knollen in der Rinderfütterung einzusetzen – vorausgesetzt, Qualität, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit stimmen.
Seit Wochen bewegen sich die Preise für Kartoffeln nach unten. Ein wesentlicher Grund ist das große Angebot bei gleichzeitig geringem Absatz. Der Aprilkontrakt 2026 lag zu Wochenbeginn bei lediglich 7,5 Euro pro Dezitonne. Für Landwirte, die nicht vermarktbare Partien haben, bietet sich die direkte Verfütterung an Milchkühe an.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind Kartoffeln energiereich. Mit etwa 8,4 MJ NEL je Kilogramm Trockenmasse und 96 Gramm Rohprotein je Kilogramm Trockenmasse erreichen sie Werte, die mit Körnermais vergleichbar sind. Aufgrund des geringen Rohfasergehalts ist jedoch eine ergänzende Strukturversorgung in der Ration notwendig. Ein Vorteil liegt in der langsamen Abbaugeschwindigkeit der Stärke im Pansen. Dadurch wird die Energieausnutzung im Dünndarm verbessert, was vor allem hochleistenden Milchkühen zugutekommt.
Die Einbindung in Mischsilagen ist technisch möglich. Besonders geeignet ist die Kombination mit Grassilage oder Silomais. Ein Anteil von höchstens 20 bis 25 Prozent Kartoffeln verhindert dabei die Bildung von Sickersaft oder Buttersäure. Zwar erschwert der höhere Wassergehalt der Knollen die Vergärung etwas, die aerobe Stabilität der Silage bleibt aber erhalten.
Beim direkten Einsatz in der Fütterung sollten Mengenbegrenzungen beachtet werden. Nach einer Eingewöhnungsphase können Milchkühe bis zu zehn Kilogramm Kartoffeln pro Tag aufnehmen. Mastbullen vertragen, je nach Rationsgestaltung, bis zu zwanzig Kilogramm täglich. Vorsicht ist bei grünen oder stark gekeimten Knollen geboten, da diese Solanin enthalten. Eine sorgfältige Auswahl minimiert das Risiko.
Nur saubere, gesunde und nicht übermäßig gekeimte Kartoffeln eignen sich für die Tierfütterung. Ob sich der Einsatz betriebswirtschaftlich lohnt, hängt vom Preisvergleich mit anderen Futtermitteln wie Weizen oder Rapsschrot ab. Unter Berücksichtigung von Risikoabschlägen zwischen 20 und 30 Prozent ergibt sich ein Richtwert von maximal 3,30 Euro pro Dezitonne. Zusätzlich sind Transport- und Lagerkosten in die Kalkulation einzubeziehen.
