Inmitten von anhaltenden Spannungen zwischen der französischen Regierung und der Landwirtschaft hat Premierminister Sébastien Lecornu kürzlich eine Reihe von Sofortmaßnahmen angekündigt, um die Herausforderungen im Agrarsektor anzugehen. Diese Ankündigung erfolgte nach massiven Protesten von Landwirten gegen das EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, bei denen Traktoren die Straßen von Paris blockierten.
Regierung plant Entlastungen für Landwirte
Premierminister Lecornu betonte, dass die landwirtschaftlichen Betriebe unter einer Vielzahl komplexer und teils widersprüchlicher Regelungen leiden. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, plant die Regierung mehrere Maßnahmen: Die Einführung eines Notstandsgesetzes zur Vereinfachung der Agrarpolitik, Anpassungen in der Wasserpolitik, eine Überarbeitung der EU-Nitratvorschriften sowie Steuererleichterungen als Teil eines 300-Millionen-Euro-Programms. Der Gesetzentwurf soll im März dem Kabinett vorgelegt werden, mit dem Ziel, die parlamentarischen Beratungen vor der Sommerpause abzuschließen.
Kritik an bisherigen Reformumsetzungen
Die Umsetzung solcher Maßnahmen in Frankreich ist oft mit Schwierigkeiten behaftet. In der Vergangenheit führten anfänglich groß angekündigte Reformen nach dem Gesetzgebungsprozess nicht selten zu enttäuschend geringen Veränderungen. Dennoch hat Lecornu zugesichert, dass im Haushaltsplan 2027 auf eine Erhöhung der Abgabe auf diffuse Gewässerverschmutzungen verzichtet wird.
Wassermanagement als Regierungsschwerpunkt
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Wassermanagement: Die Regierung will sich über alle Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung informieren lassen. Der Bau von Wasserreservoirs für landwirtschaftliche Bewässerung sorgt immer wieder für Konflikte zwischen Umweltverbänden und Landwirten. Bis September sollen daher die bestehenden Regelungen zur Wasserentnahme ausgesetzt werden, um sicherzustellen, dass die Interessen der Landwirtschaft angemessen berücksichtigt werden.
Anpassung der EU-Nitratvorschriften angestrebt
Lecornu plant außerdem, die Europäische Kommission um eine Aktualisierung der Nitratvorschriften zu bitten. Diese sollen künftig stärker auf agronomische Erkenntnisse und praktischen Menschenverstand setzen. Details zu den steuerlichen Erleichterungen bleiben jedoch vage und sollen im Rahmen des aktuellen Finanzplans umgesetzt werden.
Proteste in Paris beendet
Nach den Zusicherungen der Regierung zogen die Landwirte ihre Proteste vor dem Parlamentsgebäude zurück. Die Aktion wurde vom Bauernverband FNSEA und den Junglandwirten (JA) unterstützt. Trotz des Abzugs ihrer Traktoren äußerten viele Landwirte Enttäuschung und Skepsis darüber, ob die versprochenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden.
Einsatzkräfte räumen Autobahnblockaden
Abseits von Paris griff die Polizei ein, um eine Blockade auf der Autobahn A64 südwestlich von Toulouse zu räumen, während Landwirte auf anderen Strecken weiterhin Kontrollen durchführten. Sie untersuchten Lastwagen nach importierten Agrarprodukten, die ihrer Meinung nach nicht den französischen Standards entsprachen.
