Nach einem Vierteljahrhundert der Verhandlungen bleibt die Zukunft des Mercosur-Abkommens zwischen der EU und den südamerikanischen Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay sowie Uruguay ungewiss. Die Verzögerung seitens des EU-Parlaments, das eine rechtliche Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof fordert, sorgt für Unsicherheit bei Investoren und stellt die Zuverlässigkeit der EU als Handelspartner infrage.
EU-Parlament bremst Freihandelsabkommen
Die Entscheidung im EU-Parlament fiel mit einer knappen Mehrheit von nur zehn Stimmen. Unter den Befürwortern der Verzögerung waren Abgeordnete aus verschiedenen politischen Lagern, einschließlich Konservativer, Sozialdemokraten und Liberaler. Besonders auffällig war jedoch die Unterstützung durch Politiker aus dem linken sowie rechtsaußen Spektrum. Auch eine Mehrheit der Grünen, darunter acht von zwölf deutschen Abgeordneten, stimmte dafür.
Diese Entscheidung wurde inmitten einer politisch angespannten Zeit getroffen und zeigt die Komplexität der geopolitischen Szenarien auf. Kritik gibt es vor allem an der Allianz mit Rechtspopulisten, die ein zentrales Handelsabkommen gefährdet.
Gemischte Reaktionen aus der Landwirtschaft
Auch aus landwirtschaftlichen Kreisen gibt es gemischte Reaktionen zum Mercosur-Abkommen. Die öffentliche Debatte ist geprägt von Befürchtungen über mögliche Importe von günstigem Hormon-Fleisch und die Auswirkungen auf den Regenwald, der möglicherweise für neue landwirtschaftliche Flächen gerodet werden könnte. Bauernpräsident Joachim Rukwied äußerte sich bis zuletzt kritisch gegenüber dem Abkommen.
Demgegenüber argumentierte DBV-Vizepräsident Karsten Schmal auf der Grünen Woche für die wirtschaftliche Bedeutung des Abkommens. Er betonte die Chancen für den Milchsektor und hob hervor, dass eine starke Wirtschaft auch der Landwirtschaft zugutekäme. Wichtig seien jedoch klare Regeln für Importstandards und -mengen, was seiner Meinung nach bislang kaum Gehör fand.
Politische Opportunität und gesellschaftlicher Diskurs
Trotz bestehender geopolitischer Spannungen agieren manche Politiker weiterhin opportunistisch, selbst in Zusammenarbeit mit extremen politischen Strömungen. Dies wirft ein Licht auf das mangelnde Vertrauen in politische Zusagen und erschwert differenzierte Diskussionen in Politik und Gesellschaft.
Ein vorläufiges Inkrafttreten des Mercosur-Abkommens könnte als Schadensbegrenzung dienen. Zudem wird erwartet, dass Ursula von der Leyen bald ein weiteres Freihandelsabkommen mit Indien ankündigt – diesmal ohne den umstrittenen Agrarsektor einzubeziehen. Dies könnte als Zeichen gewertet werden, dass die Sorgen der Landwirte ernst genommen werden und die EU trotz Herausforderungen handlungsfähig bleibt.
