Der Anbau von Winterweizen bleibt in Deutschland dominierend, doch die Herausforderungen für Landwirte sind vielfältig. Angesichts der niedrigen Weizenpreise, die derzeit unter 20 € pro Dezitonne liegen, stellt sich die Frage nach der Optimierung des Fungizideinsatzes sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich. Der durchschnittliche Behandlungsindex für Fungizide lag in den letzten zehn Jahren zwischen 1,8 und 2,7, was auf einen intensiven Einsatz hindeutet. Eine Reduzierung könnte also nicht nur Kosten sparen, sondern auch positive ökologische Effekte haben.
Effizienter Fungizideinsatz als Schlüssel
Ein maßvoller Einsatz von Fungiziden ist essenziell, um Resistenzen bei Schaderregern zu vermeiden. Mit einem strategischen Wechsel der Wirkstoffe innerhalb einer Saison lässt sich dieser Herausforderung begegnen. Dr. Bernhard Werner betont die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen, um den Krankheitsdruck von Beginn an gering zu halten. Dabei spielen Fruchtfolge, Saattermine und Sortenauswahl eine entscheidende Rolle.
Die Anzahl der zugelassenen Fungizide nimmt jedoch kontinuierlich ab. Dies erfordert von Landwirten eine noch sorgfältigere Auswahl der Mittel und Zeitpunkte für ihre Anwendung. Die Vielfalt der Präparate auf dem Markt wird durch preisgünstige Einzelwirkstoffe wie Prothioconazol oder Tebuconazol ergänzt, während teurere Kombinationspräparate weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
Resistenzmanagement als Priorität
Für ein effektives Resistenzmanagement ist ein Wechsel der Wirkstoffe unerlässlich. Besonders bei Septoria tritici wird erwartet, dass die Wirksamkeit der Azole weiter abnimmt, was den Selektionsdruck erhöht und das Shifting begünstigt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, sollten Landwirte auf einen Wirkstoffwechsel innerhalb der Azolgruppe achten und Kontaktfungizide wie Folpet für die Behandlung von Septoria miteinbeziehen.
Rostkrankheiten lassen sich mit Tebuconazol und strobilurinhaltigen Produkten weiterhin gut bekämpfen. Obwohl die Zulassung von Tebuconazol auslaufen könnte, bleibt es bis 2027 verfügbar und bietet somit noch einige Jahre Sicherheit im Einsatz.
Sortenwahl zur Risikominderung
Eine kluge Sortenwahl kann das Risiko von Pilzerkrankungen erheblich reduzieren. Das Bundessortenamt bewertet Winterweizensorten nach ihrer Anfälligkeit gegenüber verschiedenen Krankheiten; bei Braunrost beispielsweise reichen diese Bewertungen von sehr resistenten bis zu hoch anfälligen Sorten.
Sorten mit einer hohen APS (Ausprägungsstufe) sind oft auf mehrfache Fungizidbehandlungen angewiesen, während widerstandsfähigere Sorten mit weniger Behandlungen auskommen können. Eine regelmäßige Bestandskontrolle sowie Prognosemodelle helfen dabei, den optimalen Zeitpunkt für Eingriffe zu bestimmen.
Nutzung digitaler Hilfsmittel
Moderne Informationsplattformen wie ISIP bieten tagesaktuelle Daten zur Infektionswahrscheinlichkeit wichtiger Getreidekrankheiten und dienen als wertvolle Entscheidungsgrundlage für Landwirte. Mit diesen Tools lassen sich schlagspezifische Strategien entwickeln und das Infektionsrisiko besser abschätzen.
Kampf gegen Ährenfusarien
Die gezielte Bekämpfung von Ährenfusarien stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Gefahr ist besonders hoch in anfälligen Sorten oder nach Mulchsaaten unter feuchtwarmen Bedingungen während der Blütezeit des Weizens.
Laut aktuellen Forschungsergebnissen zeigen Mittel wie Prosaro oder Osiris MP gute Erfolge bei der Senkung der DON-Werte und Befallshäufigkeiten. Neuere Produkte wie Maganic oder Navura erweitern das Portfolio effektiver Lösungen gegen Fusarium.
Fazit: Ausgewogene Strategien gefragt
Während Krankheiten wie Braunrost erhebliche Schäden im Weizenanbau verursachen können, ist ein übermäßiger Fungizideinsatz kontraproduktiv sowohl für Umwelt als auch Wirtschaftlichkeit. Durch eine Kombination aus angepasster Sortenwahl, präventiven Maßnahmen und digitaler Unterstützung kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln optimiert werden. Bei hohem Krankheitsdruck bleibt jedoch ein gezielter Einsatz unverzichtbar.
