Die Preise für Rapsschrot haben seit Beginn des Jahres einen unerwartet starken Anstieg verzeichnet, während Sojaschrot weitgehend preisstabil geblieben ist. Der Preis für Rapsschrot stieg im Großhandel am Niederrhein von etwa 180 Euro pro Tonne auf beinahe 250 Euro pro Tonne, was einem Anstieg von fast 40 % entspricht.
Versorgungsknappheit durch Frost und Logistikprobleme
Ein entscheidender Faktor für die Preissteigerung ist die begrenzte Verfügbarkeit von Rapssaat. In Ostdeutschland wird der Schiffsverkehr durch Frost erheblich behindert, was die Versorgung zusätzlich erschwert. Ein Getreide- und Rapsmakler berichtet, dass die Landwirte derzeit wenig Bereitschaft zeigen, ihre Bestände abzugeben, was die Ölmühlen dazu zwingt, höhere Preise zu zahlen. Gleichzeitig steigen die Kosten in der LKW-Logistik aufgrund eines Mangels an Fahrern und teurerer Fahrzeuge.
Produktionseinschränkungen bei den Ölmühlen
Die gestiegenen Rapspreise treffen auf schwache Erlöse für Rapsöl, das seit Dezember um mehr als 10 % an Wert verloren hat. Laut einem Vertreter der Ölmühlen haben diese aufgrund der schlechten Margen ihre Produktion gedrosselt und weniger Rapsschrot auf den Markt gebracht, was die Versorgungsknappheit weiter verstärkt.
Einfluss des Papiermarktes
Die physische Knappheit wird durch Entwicklungen am Papiermarkt verschärft. Auf diesem Markt werden keine physischen Waren gehandelt, sondern nur Preisvereinbarungen getroffen, ähnlich einer regionalen Terminbörse. Aktuell fehlen GVO-freie Rapsschrote auf dem Papiermarkt, was den Druck erhöht. Zudem gibt es Gerüchte über ADM in Spyck, das möglicherweise kanadisches genverändertes Canola verarbeiten könnte, was das Angebot an nicht-GVO-Ware weiter reduzieren würde.
Aussichten bis zur neuen Ernte
Laut Händlern ist eine schnelle Abkühlung der Preise unwahrscheinlich. Selbst wenn die Wasserwege im Frühjahr wieder passierbar sind, wird Raps bis zur neuen Ernte knapp bleiben. Die Nachfrage bleibt stabil: Mischfutterhersteller versuchen zwar, Rapsschrot zu substituieren, doch im Milchviehbereich besteht aufgrund der GVO-Freiheit bei Molkereien ein hoher Bedarf.
Zukünftige Entwicklungen im GVO-Anbau
Längerfristig könnte sich jedoch eine Veränderung abzeichnen. Internationale Trends deuten auf einen zunehmenden Anbau von GVO-Raps hin. Besonders interessant wird die Ernte 2026 in der Ukraine sein, wo aufgrund des harten Winters voraussichtlich vermehrt Sommerraps angebaut wird. Branchenkenner weisen darauf hin, dass dort GVO-Sorten dominanter werden könnten, obwohl deren Anbau offiziell nicht erlaubt ist.
