Die Herausforderungen für die deutsche Landwirtschaft sind durch die wachsende Marktmacht großer Einzelhandelsketten erheblich angestiegen. Wie aus dem aktuellen Gutachten der Monopolkommission hervorgeht, kontrollieren die vier größten Einzelhandelsunternehmen in Deutschland einen bedeutenden Marktanteil, was sich negativ auf die Preisgestaltung und damit auf die Erzeugerpreise in der Landwirtschaft auswirkt.
Marktmacht der Supermärkte belastet Landwirte
Experten warnen, die Monopolkommission hat zutage gefördert, dass die Gewinnmargen nicht nur im Einzelhandel, sondern auch in der Ernährungsindustrie gestiegen sind. Dies könnte auf eine erhöhte Eigenkapitalausstattung in diesen Sektoren zurückzuführen sein, wodurch höhere Renditen erzielt werden müssen. Für die Landwirtschaft bedeutet dies jedoch oft, dass die Preise, die sie für ihre Produkte erhalten, nicht kostendeckend sind.
Ein aktueller Preiskampf bei Butter zwischen Discountern wie Aldi und Lidl verdeutlicht das Problem: Während Verbraucher von niedrigen Preisen profitieren, geraten Lieferanten und Bauern unter Druck. Die Butterpreise decken kaum noch die Produktionskosten der Molkereien und schon gar nicht jene der landwirtschaftlichen Betriebe.
Rechtliche Hürden und Wettbewerb
Der bayerische Bauernverband hat daher das Bundeskartellamt eingeschaltet, um gegen diese Praktiken vorzugehen. Doch ist es unwahrscheinlich, dass hier ein Missbrauch festgestellt wird. Der Verkauf unter Produktionskosten ist rechtlich zulässig, solange er systematisch nicht unter dem Einstandspreis erfolgt, was jedoch schwer nachzuweisen ist.
Eine strukturelle Lösung könnte in einer Mengensteuerung und festen Vertragsmengen mit garantierten Preisen liegen. Besonders im Schweine- und Milchsektor sei eine solche Steuerung jedoch schwierig umzusetzen aufgrund langer Produktionszyklen.
Vertikale Integration als Herausforderung
Eine weitere Sorge ist die vertikale Integration im Lebensmitteleinzelhandel: Unternehmen wie Edeka oder Kaufland dringen zunehmend in Herstellungsprozesse ein und stärken dadurch ihre Marktmacht weiter. Dies verzerrt den Wettbewerb erheblich, da diese Händler gleichzeitig als Kunde und Konkurrent auftreten können.
Die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung bei Übernahmen und Fusionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die aktuelle Gesetzgebung betrachtet solche Fälle oft nur isoliert, was langfristig den Wettbewerb einschränken könnte.
Politische Perspektiven und Zukunftsaussichten
Trotz dieser Herausforderungen sehen Experten wenig politischen Willen seitens der Bundesregierung, um gegen die Marktmacht des Einzelhandels vorzugehen. Die Politik scheint niedrige Verbraucherpreise höher zu gewichten als faire Bedingungen für Produzenten. Eine mögliche Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) könnte langfristig Abhilfe schaffen, doch kurzfristige Lösungen seien nicht in Sicht.
