Der europäische Gasmarkt sieht sich 2026 mit einer Herausforderung konfrontiert: Die Lagerbestände starten mit einem ungewöhnlich niedrigen Füllstand von nur 61 % ins Jahr. Besonders bemerkenswert ist dieser Wert, da er nur vom Krisenjahr 2022 unterboten wurde. Bereits im Januar führten gleichzeitige Kältewellen in den USA und Europa zu einem erheblichen Anstieg der Gaspreise, wobei am Henry Hub ein Plus von 70 % und am europäischen TTF ein Anstieg von 40 % verzeichnet wurden.
LNG-Importterminals vor Herausforderungen
Die jüngste Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) beleuchtet mögliche Szenarien für den europäischen Gasmarkt im Jahr 2026. Sollte die kalte Witterung bis Ende März anhalten, könnte die Nachfrage um bis zu 120 TWh steigen. Um dann nicht auf einen kritischen Speicherstand von nur 10 % zu fallen, müssten die LNG-Importterminals Europas ihre Auslastung auf bis zu 90 % erhöhen.
Dr.-Ing. Ann-Kathrin Klaas vom EWI betont, dass zur Erreichung des EU-Zielniveaus von 90 % Gasspeicherfüllung zu Beginn der nächsten Heizperiode eine gleichbleibend hohe Auslastung der Terminals erforderlich sei. Ab April wäre demnach eine kontinuierliche Nutzung von über 80 % notwendig, was deutlich über der Vorjahresauslastung von durchschnittlich 58 % liegt.
Konkurrenz um Spotmarkt-Mengen
Trotz des Ausbaus der LNG-Importkapazitäten in Europa auf rund 2.000 TWh/a besteht weiterhin die Herausforderung der Beschaffung. Rund 30 % des LNG-Bedarfs Europas sind durch Langfristverträge abgedeckt; für den Rest müssen Akquisitionen auf dem globalen Spotmarkt erfolgen.
Laut Klaas konkurriert Europa direkt mit asiatischen Märkten um diese Mengen. Zwar könnten neue globale Exportkapazitäten preissenkend wirken, jedoch wird erwartet, dass die starke lokale Nachfrage zur Speicherauffüllung das europäische Preisniveau beeinflussen dürfte.
