Die Europäische Union plant, Sojabohnen künftig als Rohstoff mit einem hohen Risiko für indirekte Landnutzungsänderungen einzustufen. Diese Einstufung könnte dazu führen, dass Biokraftstoffe aus Soja nicht mehr zur Erreichung der Treibhausgasminderungsziele angerechnet werden dürfen. Ein entsprechender Entwurf zur Änderung der Delegierten Verordnung (EU) 2019/807 wurde von der EU-Kommission veröffentlicht und ein Anhörungsverfahren eingeleitet.
Umstrittene Einstufung
Laut der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) würde die pauschale Kategorisierung von Sojabohnen als „high-iLUC-Rohstoff“ auf den Berechnungen basieren, die die Ausweitung des Anbaus auf kohlenstoffreiche Flächen untersuchen. Die UFOP kritisiert diese Pläne scharf und verweist auf das Verursacherprinzip, welches ihrer Meinung nach bei solchen Entscheidungen berücksichtigt werden sollte.
Die generelle Einstufung könnte weitreichende Auswirkungen auf den globalen Sojaanbau, einschließlich in den USA und Europa, haben. Die UFOP befürchtet zudem, dass die EU-Kommission durch diese Maßnahme ihre bisherigen Schritte zur Verbesserung der Nachhaltigkeitszertifizierung untergräbt.
Nicht nur nationale Auswirkungen
Gemäß EU-Recht können Biokraftstoffe nur dann zur Erfüllung der Klimaziele beitragen, wenn sie von Flächen stammen, die bereits vor Januar 2008 landwirtschaftlich genutzt wurden. Diese Regelung würde durch die neue Einstufung von Soja unbrauchbar werden, so die Einschätzung der UFOP. Auch die analogen Regelungen der verschobenen Entwaldungsverordnung (EUDR) wären betroffen.
Die mögliche Klassifizierung von Sojabohnen als Risikorohstoff könnte zudem eine bedeutende Absatzmöglichkeit im Biokraftstoffsektor eliminieren. Dies wäre besonders problematisch für heimische und europäische Produzenten, die auf diesen Markt angewiesen sind.
Bedeutung von Rapsöl
Gegenüber Soja hat Rapsöl in Europa eine weitaus größere Bedeutung als Rohstoff für Biokraftstoffe. Mit einem Anteil von 45 % ist Rapsöl deutlich dominanter als Sojaöl mit nur 7 %. Der Markt für Biokraftstoffe bestimmt maßgeblich den Preis für Raps, was wiederum wichtige Entscheidungen über dessen Anbau beeinflusst.
Trotz der möglichen Nachteile der neuen EU-Regelungen wird darauf hingewiesen, dass Sojabohnen zukünftig an Bedeutung gewinnen könnten – obwohl ihr Anteil am Biokraftstoffverbrauch im Jahr 2024 voraussichtlich gering bleibt. Die UFOP fordert daher eine präzisere Ursachenbekämpfung zur Vermeidung weiterer Abholzungen in Urwäldern und plädiert für das Verursacherprinzip als Grundlage politischer Entscheidungen.
