Der europäische Kartoffelmarkt sieht sich derzeit mit einem massiven Überangebot konfrontiert, das die Preise für Futterkartoffeln auf unter null gedrückt hat. Landwirte müssen nun sogar für die Entsorgung ihrer Ernten zahlen, um ihre Lager zu leeren. Analysten und Erzeugerorganisationen beleuchten die Ursachen dieser Krise.
Ursachen des Preisverfalls
In den Niederlanden sind die Preise für Futterkartoffeln laut PotatoNL auf -1,00 € bis -2,00 € pro 100 Kilogramm gesunken. Auch Pommes-Frites-Kartoffeln verzeichnen nur geringfügig höhere Preise. Der Druck auf den Markt resultiert aus einem erheblichen Überangebot, das Kartoffelerzeuger dazu zwingt, ihre Produkte zu entsorgen oder als Tierfutter und Biogasanlagenmaterial zu verwenden. Trotz niedriger oder gar kostenloser Abgabepreise konnten die Lagerbestände nicht abgebaut werden.
Niels van der Boom von DCA Market Intelligence erklärt, dass steigende Lager- und Energiekosten die wirtschaftliche Rentabilität des Lagerns mindern. Ohne Aussicht auf eine Preiserholung versuchen Erzeuger, die Lagerkosten durch frühere Markteinführung ihrer Produkte zu reduzieren.
Regionale Unterschiede im Überangebot
Der Überschuss an Kartoffeln ist in Westeuropa weitverbreitet. Die Niederlande produzierten 2025 rund 4,2 Millionen Tonnen Speisekartoffeln – ein Anstieg um 900.000 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Belgien, Frankreich und Deutschland verzeichnen ähnliche Überschüsse. Insgesamt wird der Überschuss in den EU-4-Ländern auf etwa 3,3 Millionen Tonnen geschätzt.
Die Nachfrage nach Kartoffeln hat sich abgeschwächt, was zu diesem strukturellen Überangebot führte. In Belgien laufen Werbekampagnen zur Förderung der Nutzung als Lebensmittel oder Biogasrohstoff. Frankreich entwickelt Protokolle zur kontrollierten Vernichtung überschüssiger Kartoffeln. Konkrete Maßnahmen fehlen jedoch noch in den Niederlanden.
Produktion vs. Nachfrage
Nach Jahren hoher Preise aufgrund knappen Angebots kehrt sich die Situation nun um: Ein Überfluss an Kartoffeln drückt die Preise tief in den Keller. Die Produktion stieg seit 2000 um fast 40 %, was einerseits durch sinkenden Konsum und strengere Vorschriften verursacht wurde, andererseits aber auch durch eine gesteigerte Anbaufläche aufgrund hoher Preise gefördert wurde.
- Frankreich benötigte bis 2030 zusätzlich rund 40.000 Hektar Anbaufläche – diese Lücke wurde schnell geschlossen.
- Die aktuelle Ernte überstieg mit 27 Millionen Tonnen die übliche Nachfrage von 24 Millionen Tonnen deutlich.
Laut Geoffroy d’Evry sank die Exportnachfrage außerhalb der EU aufgrund geopolitischer Spannungen und ungünstiger Wechselkurse. Neue Marktteilnehmer wie China und Indien sind zudem zu Konkurrenten geworden.
Zukunftsaussichten und Lösungsansätze
Kartoffelbauern in West- und Osteuropa sind sich einig: Eine Reduzierung der Produktionsmenge ist unumgänglich. D’Evry fordert eine Verringerung der Anbauflächen um 10 %, um langfristig Stabilität am Markt wiederherzustellen. Um dies zu erreichen, müssen Produzenten ihre Strategien überdenken und anpassen.
