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Kartoffelpreise im Sturzflug: Bauern kämpfen mit Importdruck und Kosten

Die Lage auf dem Kartoffelmarkt bleibt angespannt, da die Preise aufgrund hoher Lagerbestände und steigender Energiekosten weiter fallen. Trotz der bevorstehenden Ostertage wird keine Entlastung erwartet. Händler ermutigen Landwirte dazu, nicht verkaufsfähige Restbestände zu entsorgen, da diese kaum Abnehmer finden. Zusätzlich verschärfen Importkartoffeln aus Nordafrika die Marktsituation.

Herausforderungen für Kartoffelbauern

Vor Ostern sind viele Käufer dazu übergegangen, ihre Preisangebote zu senken. Dies betrifft vor allem Kartoffeln, die nicht vertraglich gebunden sind. Marktbeobachter raten den Erzeugern, minderwertige Qualitäten gar nicht erst anzubieten. Die Kosten für Lagerung und Logistik steigen durch die hohen Energiepreise weiter an, was den Druck auf die Landwirte erhöht. Erste Chargen werden bereits entsorgt, um die Lagerkosten zu reduzieren.

Zudem treffen derzeit kleinere Mengen von Importkartoffeln aus Ländern wie Zypern und Italien ein und drücken zusätzlich auf die Nachfrage nach heimischen Produkten. Währenddessen bleibt der Preis für Importware aus Ägypten höher als jener für deutsche und französische Lagerware.

Anbauflächen unter Beobachtung

Marktbeobachter berichten, dass die Pflanzarbeiten im Südwesten Deutschlands gut vorankommen, während auch im Nordwesten mit dem Pflanzen begonnen wurde. Erste Schätzungen deuten auf eine leichte Reduzierung der Anbauflächen hin. Die Nordwesteuropäische Kartoffelerzeugervereinigung (NEPG) warnt jedoch davor, die Anbauflächen weiter zu verkleinern, da die niedrigen Vertragspreise große Vorsicht erfordern.

Laut NEPG stammen Gewinne in der Kartoffelproduktion fast ausschließlich aus Verkäufen auf dem freien Markt. Daher sei es wichtig, die Anbaufläche zu begrenzen, obwohl Saatkartoffeln problemlos verfügbar seien.

Verarbeitungskartoffeln unter Preisdruck

Die Preise für Verarbeitungskartoffeln könnten noch weiter sinken, nachdem sie bereits auf einem enttäuschend niedrigen Niveau liegen. Im März hat sich die Stimmung am Markt nicht verbessert; das Überangebot dominiert weiterhin das Geschehen. Laut PotatoNL werden bei den Sorten Fontane und Challenger in den Niederlanden und Belgien stabile Preise von 1 bis 2 Euro pro 100 Kilogramm beobachtet.

Für Tierfutterkartoffeln liegen die Preise aktuell bei minus 1 bis 1 Euro pro 100 Kilogramm. Der EEX-Terminkurs für April fiel auf 2,30 €/dt. Auch landesweit ist das Interesse an Exporten gering aufgrund hoher Dieselpreise, die die Logistikkosten belasten.

Speisekartoffeln ebenfalls betroffen

Trotz eines großen Angebots bleiben auch die Preise für Speisekartoffeln niedrig und unverändert. In Niedersachsen wurden zuletzt Erzeugerpreise von 10,50 bis 11,50 Euro je dt genannt – ein Rückgang von etwa einem Euro im Vergleich zum Februar dieses Jahres.

In Nordrhein-Westfalen liegen die Preise bei etwa 16 Euro je dt und in Bayern bei durchschnittlich 12,50 Euro je dt. Im Südwesten waren sie etwas höher als im Nordwesten mit Preisen zwischen 17,50 und 18,50 Euro je dt. Verglichen mit dem Vorjahr sind diese Preise allerdings deutlich gesunken.

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