Angesichts einer angespannten globalen Düngemittelversorgung hat Russland beschlossen, den Export von Ammoniumnitrat für einen Monat auszusetzen. Diese Entscheidung fällt zu einem kritischen Zeitpunkt, da die Frühjahrsaussaat in vielen Ländern bevorsteht und Russland rund 40 % des weltweiten Handels mit diesem wichtigen Stickstoffdünger kontrolliert.
Russlands Maßnahmen zur Sicherung der Inlandsversorgung
Das russische Landwirtschaftsministerium hat erklärt, dass die temporäre Aussetzung der Exporte dazu dienen soll, die nationale Versorgung mit Ammoniumnitrat zu gewährleisten. Angesichts der steigenden Nachfrage aus dem Ausland wird der Fokus auf die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft gelegt. Besonders in Zeiten einer globalen Angebotsverknappung ist dies ein strategischer Schritt, um Engpässe während der Frühjahrsaussaat zu vermeiden.
Eine bedeutende Ursache für die Verknappung sind Angriffe auf russische Düngemittelwerke. So wurde das Acron-Werk in Dorogobush durch Drohnenangriffe stark beschädigt, was den Betrieb bis mindestens Mai zum Erliegen bringt. Diese Anlage ist für etwa 11 % der russischen Produktion verantwortlich. Auch andere Werke wurden mehrfach attackiert, was die Krisensituation weiter verschärft.
Einfluss auf globale Märkte und Weizenerträge
Durch den Exportstopp könnte es weltweit zu einer Verknappung von Düngemitteln kommen, was besonders den Weizenanbau betrifft. Weizen ist eine Kulturpflanze mit hohem Nährstoffbedarf, weswegen ein Mangel an Dünger direkt zu geringeren Erträgen führen kann. Landwirte könnten gezwungen sein, auf weniger düngemittelintensive Pflanzen umzusteigen oder mit höheren Produktionskosten zu kämpfen.
Zudem spielt die Schließung der Straße von Hormus eine Rolle bei der aktuellen Situation. Diese wichtige Handelsroute transportiert einen erheblichen Teil des weltweiten Ammoniaks, welches als Grundstoff für Ammoniumnitrat dient.
Europäische Zollpolitik verschärft die Lage
Parallel dazu hat die Europäische Union im Jahr 2025 hohe Zölle auf Importe von russischen und belarussischen Düngemitteln eingeführt. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Abhängigkeit von diesen Ländern zu reduzieren und die eigene Landwirtschaft unabhängiger von geopolitischen Spannungen zu machen.
Seit dem Stichtag erhebt die EU zusätzliche Zölle in Höhe von 40 €/t auf stickstoffhaltige Produkte aus Russland und Belarus. Für andere Düngemitteltypen gelten sogar noch höhere Abgaben. Diese Zolltarife werden schrittweise bis 2028 erhöht, um den Import weiter unattraktiv zu machen.
Auswirkungen auf den europäischen Markt
Der Importstopp seitens Russlands und die hohen Zölle der EU könnten dazu führen, dass europäische Landwirte nach alternativen Bezugsquellen suchen müssen oder höhere Kosten tragen müssen. Im Jahr 2024 importierte die EU 4,7 Millionen Tonnen dieser betroffenen Produkte aus Russland und Belarus – ein Drittel aller Importe aus Nicht-EU-Ländern fiel darunter.
Letztlich zeigt sich erneut, wie verwundbar globale Lieferketten im Bereich Agrarwirtschaft sind und welche weitreichenden Folgen geopolitische Entscheidungen haben können. Die kommenden Monate werden entscheidend sein für Landwirte weltweit, um Strategien zur Anpassung an diese Herausforderungen zu entwickeln.
