Der Markt für Futtermittelzusatzstoffe in Europa sieht sich derzeit mit Herausforderungen konfrontiert, da der französische Hersteller Eurolysine verstärkte Schutzmaßnahmen gegen Lysinimporte aus China fordert. Diese Forderung kommt angesichts der Sorge, dass Europa zunehmend von chinesischen Aminosäuren abhängig wird, insbesondere in Anbetracht der Ineffektivität der bisherigen Anti-Dumpingzölle.
Unzureichende Wirkung der bestehenden Zölle
Laut Eurolysine haben die im Vorjahr eingeführten Anti-Dumpingzölle der EU nicht den gewünschten Effekt erzielt. Statt einen Preisanstieg bei chinesischen Exporten zu verursachen, seien die Preise für Lysin aus China weiter gesunken. Diese Entwicklung könnte zu einem Verlust der Kontrolle über diesen wichtigen Futtermittelbestandteil führen, warnt das Unternehmen.
Eurolysine macht günstigere Energiepreise in China für den Preisvorteil verantwortlich. Die Energiequellen dort bestehen größtenteils aus Kohle, was zwar kostengünstig ist, aber auch zu einem bis zu fünfmal höheren Treibhausgasfußabdruck führt. Außerdem hält die chinesische Regierung Anteile an den Herstellern und kann so direkt auf die Preisgestaltung einwirken.
Forderungen nach fairen Wettbewerbsbedingungen
Die EU-Kommission hat den Vorwurf des Dumpings bestätigt. Eurolysine betont jedoch, dass zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind. Neben Zöllen sollten auch Produkte ins Visier genommen werden, die nicht den europäischen Standards entsprechen, wie etwa chinesisches Tryptophan. Zudem müsse die europäische Fermentationsindustrie Zugang zu Rohstoffen zu global wettbewerbsfähigen Preisen erhalten. Der geringere Treibhausgasausstoß von europäischen Produkten sollte durch Anreize gefördert werden.
Bedenken des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT)
Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) steht zusätzlichen Zöllen kritisch gegenüber und warnt vor möglichen Marktverzerrungen. Der Verband ist der Meinung, dass höhere Kosten für Lysin den Import von Soja steigern und heimische Proteinquellen wie Raps verdrängen könnten.
Der DVT plädiert stattdessen für Reformen zur Senkung der Produktionskosten innerhalb der EU-Industrie. Positiv bewertet wird das Omnibusverfahren auf EU-Ebene, das eine unbefristete Zulassung von Futtermittelzusatzstoffen vorsieht. Eine Überarbeitung der Zulassungsverordnung sowie Maßnahmen zur Reduzierung von Energie- und Rohstoffkosten sind laut Verband unerlässlich.
