Brasilien hat in den letzten zwei Jahrzehnten seine Getreideproduktion von 114 Millionen Tonnen auf beeindruckende 350,2 Millionen Tonnen in der Saison 2024/25 gesteigert. Diese enorme Steigerung wurde jedoch nicht durch eine proportionale Ausweitung der Anbaufläche erreicht, die nur um etwa 67 % zugenommen hat. Vielmehr liegt das Geheimnis in der verstärkten Nutzung von Mehrfachernten, ein innovativer Ansatz, der das Potenzial der bestehenden Landflächen maximiert.
Mehrfachernten als Erfolgsfaktor
In Brasilien wird mittlerweile auf rund 28 Millionen Hektar Ackerland mehr als einmal jährlich geerntet. Diese intensive Nutzung brachte allein in der letzten Saison zusätzliche 120 Millionen Tonnen Getreide ein. Zum Vergleich: Deutschland erzielt auf 11,7 Millionen Hektar Ackerfläche etwa 40 Millionen Tonnen Getreide (ohne Körnermais). Laut Conab wurden sogar auf über einer Million Hektar drei Kulturen pro Jahr angebaut, und dieser Trend ist steigend.
Klimabedingungen und innovative Techniken
Das tropische Klima mit konstant hohen Temperaturen und genügend Niederschlägen begünstigt diese Entwicklung, insbesondere in Zentral-West-Brasilien. Doch auch in anderen Regionen wie São Paulo setzen Betriebe auf angepasste Managementstrategien und Technologien, um zwei bis drei Ernten jährlich zu erzielen.
Ein Beispiel sind zwei Betriebe im Bundesstaat São Paulo, die zeigen, dass durch kluge Fruchtfolgenplanung und Bodenmanagement eine nachhaltige Landwirtschaft möglich ist. Sie setzen auf Humusaufbau durch Zwischenfrüchte und Direktsaat.
Praxiserfahrungen aus São Paulo
Maira Lelis bewirtschaftet die Fazenda Santa Helena im Bundesstaat Paraná auf 3.800 Hektar mit einem Team von elf Mitarbeitern. Sie berichtet von einer Verdopplung des Sojaertrags innerhalb eines Jahrzehnts – dank des Verzichts auf Pflügen und dem Einsatz regenerativer Anbaumethoden. Der Betrieb nutzt eine Vielzahl an Zwischenfrüchten wie Sonnenhanf und Ölrettich zur Bodenverbesserung und Schädlingsbekämpfung.
Die Fruchtfolge auf ihrer Farm beginnt im Oktober mit Sojabohnen, gefolgt von Mais im Februar/März und endet mit Hülsenfrüchten oder Wintergetreide bis September. Die kontrollierte Bewässerung spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Wirtschaftliche Aspekte
Die Produktionskosten variieren regional stark: In Mato Grosso betragen sie etwa 660 Euro pro Hektar Soja, während in Mato Grosso do Sul Kosten von bis zu 970 Euro pro Hektar anfallen. Maira Lelis erzielt mit einem Ertrag von 5,3 Tonnen pro Hektar jedoch deutlich höhere Gewinne als nötig.
Klimaanpassungen bei den Vick-Schwestern
Aline und Nathalia Vick führen die Fazenda Estância in Pirassununga im Bundesstaat São Paulo, die als Vorzeigebetrieb für regenerative Landwirtschaft gilt. Trotz unterdurchschnittlicher Niederschläge erreichen sie Maiserträge von 4,7 Tonnen pro Hektar – ohne Bewässerung. Neben Zuckerrohr bauen sie auch Soja und Sorghum an.
Zur Anpassung an den Klimawandel planen die Schwestern nun eine zusätzliche Ernte durch den Ausbau der Bewässerung auf 30 Hektar. Zudem setzen sie vollständig auf gentechnisch verändertes Saatgut für Soja und Mais.
Regenerative Praktiken als Zukunftsmodell
In nur drei Jahren erweiterten die Vicks ihre regenerativ bewirtschafteten Flächen von 60 auf 600 Hektar. Dabei profitieren sie von geringeren Düngemittel- und Pflanzenschutzkosten sowie einer verbesserten Dürretoleranz. Auch ihre CO2-Emissionen haben sie seit 2020/21 um bemerkenswerte 60 % reduziert.
Trotz extremer Wetterbedingungen wie der jüngsten Hitzewelle mussten sie nur minimal nachsäen – ein Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methoden.
