Landwirte und Naturschützer stehen vor einer Herausforderung: Die geplante Sprengung des letzten Kühlturms am Atomkraftwerk Biblis durch den Energieversorger RWE bedroht eine bedeutende Kolonie von Mehlschwalben. Diese Vögel, die auf der Roten Liste als gefährdet geführt werden, haben im Kühlturm einen wichtigen Lebensraum gefunden. Laut dem Verein Wildtierschutz Deutschland e.V. würde die Durchführung der Sprengung einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz darstellen.
RWE und der Artenschutzkonflikt
Der Rückbau der drei etwa 80 Meter hohen Kühltürme in Biblis hat bereits begonnen, wobei die ersten beiden Türme im letzten Jahr zerstört wurden. Der letzte verbliebene Turm beherbergt dennoch einen großen Teil der ehemals 423 Brutnester der Mehlschwalben. Für landwirtschaftliche Betriebe in der Region bedeutet dies einen Verlust an Biodiversität und eine Beeinträchtigung des ökologischen Gleichgewichts.
Florinde Stürmer vom Verein Wildtierschutz Deutschland e.V. kritisiert, dass RWE die gesetzlichen Anforderungen zum Schutz bedrohter Arten missachtet habe. Sie fordert, dass die Unternehmensführung dringend Maßnahmen ergreifen müsse, um den Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes gerecht zu werden.
Kritik an Ersatzmaßnahmen
Kurz vor dem Abriss der ersten Kühltürme wurden rund 423 künstliche Nester für die Mehlschwalben an Gestellen platziert. Doch laut Gaby Weiß von der ehrenamtlichen Wildvogelhilfe e.V. haben diese Alternativen bislang keinen Erfolg gezeigt. Weder wurden Anflüge von Schwalben beobachtet noch gab es Brutnachweise an den neuen Standorten.
Für landwirtschaftliche Betriebe und Naturschützer ist dies ein klares Zeichen dafür, dass die bisherigen Maßnahmen zur Umsiedlung der Vögel unzureichend sind. Eine effektive Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen wäre notwendig gewesen, bevor man mit dem Abriss fortfährt.
Protestbewegung für den Erhalt der Schwalbenkolonie
Gemeinsam mit anderen lokalen Organisationen wie MUNA e.V. und BUND Bergstraße setzt sich die Wildvogelhilfe dafür ein, den Lebensraum dieser Tiere zu bewahren. Für Landwirte ist dies nicht nur ein ökologisches Anliegen; die Schwalben sind auch nützlich als natürliche Schädlingsbekämpfer.
Laut den Beteiligten müsste RWE sicherstellen, dass funktionierende Ersatzlebensräume vorhanden sind, bevor weitere Schritte des Rückbaus durchgeführt werden dürfen. Diese Forderungen sollen verhindern, dass erneut bedeutende Lebensstätten unwiederbringlich verloren gehen.
Die Diskussion um den Erhalt des natürlichen Habitats in Biblis zeigt einmal mehr die Spannungen zwischen industriellen Interessen und Naturschutzverpflichtungen auf – ein Thema, das auch viele landwirtschaftliche Betriebe direkt betrifft.
