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Sinkender Schweinebestand und steigende Auflagen setzen Landwirte unter Druck.

Die wirtschaftliche Situation vieler Schweinehalter bleibt angespannt. Vor allem strengere Vorgaben in der Tierhaltung bereiten zahlreichen Betrieben Schwierigkeiten. Während sich die Tierbestände zuletzt stabilisierten, setzt sich der Rückgang bei der Zahl der haltenden Betriebe fort. Besonders Sauenhalter sehen einer unsicheren Zukunft entgegen.

Laut Eurostat wurden in der Europäischen Union von Januar bis April 2025 rund 76,1 Millionen Schweine geschlachtet. Das entspricht einem Plus von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Spanien baute mit einem Anstieg von 4,2 Prozent seine Position als führender Produzent weiter aus. Auch Deutschland meldete ein leichtes Wachstum der Schlachtungen von 1,2 Prozent. Zuwächse in Polen, Portugal, Ungarn, Tschechien, Rumänien und Österreich glichen die Rückgänge in Frankreich, Dänemark, Belgien und den Niederlanden aus. Insgesamt stieg die Schweinefleischproduktion um 3,2 Prozent, bedingt vor allem durch höhere Schlachtgewichte. Dennoch bleibt das Produktionsvolumen unter den Werten vergangener Jahre.

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) rechnet damit, dass sich die Schlachtzahlen in den kommenden Monaten auf Vorjahresniveau einpendeln oder leicht sinken könnten. Gleichzeitig gerieten die Schweinepreise im Juli unter Druck. Der durchschnittliche Erlös für Schlachtschweine lag vier Prozent unter dem Vorjahreswert, die Ferkelpreise fielen um acht Prozent. Saisonale Nachfrageschwächen im Sommer und intensiver Wettbewerb innerhalb der EU lassen für das dritte Quartal 2025 weitere Preisrückgänge erwarten.

Besonders in Nordwesteuropa gingen die Notierungen bereits Anfang Juli spürbar zurück. Auch wenn die Zahl der Schlachtungen in der zweiten Jahreshälfte tendenziell abnimmt, sorgt das hohe Angebot durch günstigeres Futter und steigende Schlachtgewichte für zusätzlichen Druck.

Auf den Futtermittelmärkten zeichnet sich eine stabile Lage ab. Sinkende Getreidepreise führen zu vergleichsweise günstigen Futterkosten. Prognosen für die europäische Weizenernte sind positiv, während die globale Maisernte – insbesondere in den USA – ebenfalls gute Ergebnisse erwarten lässt. Sojabohnen dürften weitgehend stabil bleiben, könnten jedoch durch neue Biokraftstoffregelungen in den Vereinigten Staaten teurer werden. Unsicherheiten durch mögliche Handelszölle aus den USA belasten zusätzlich.

Im Exportgeschäft konnte die EU gemeinsam mit Großbritannien ihre Ausfuhren in den ersten vier Monaten 2025 um fünf Prozent steigern. Vor allem nach China, auf die Philippinen und an die Elfenbeinküste gingen deutlich mehr Lieferungen. Rückgänge zeigten sich dagegen in Südkorea, Japan und Vietnam. Besonders Spanien und die Niederlande nutzten die gestiegene Nachfrage aus China, wo brasilianisches Fleisch durch höhere Preise an Wettbewerbsfähigkeit verlor. Die EU-Exporte übertrafen damit die brasilianischen Mengen bei Weitem.

In Deutschland legten die Schlachtzahlen zwischen Januar und Mai leicht zu. Auch die Menge des erzeugten Schweinefleisches nahm zu. Auffällig ist der deutliche Rückgang der Schweineimporte zur Schlachtung, was auf veränderte Preisrelationen innerhalb der EU zurückgeführt wird. Die ISN meldet zudem einen ungewöhnlich starken Rückgang bei den Importen insgesamt, was durch Verzögerungen bei der Vermarktung und Preisschwankungen erklärt wird.

Die Ausfuhren deutscher Schlachtbetriebe stiegen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr. Während die Lieferungen in Drittländer zurückgingen, nahmen die Exporte innerhalb der EU deutlich zu. Besonders nach Italien, in die Niederlande und in osteuropäische Staaten gingen mehr Lieferungen. Der chinesische Markt bleibt für deutsches Schweinefleisch weiterhin geschlossen.

Im Bereich der Lebendimporte zeigt sich eine deutliche Abwärtsbewegung. Die Einfuhren von Schlachtschweinen aus Belgien und den Niederlanden sanken spürbar. Auch bei Ferkeln gingen die Lieferungen zurück, vor allem aus den Niederlanden. Dort reduzierte ein staatliches Aufkaufprogramm die Sauenbestände, wodurch sich die Exportmengen nach Deutschland verringerten. Dänemark lieferte weiterhin Ferkel, jedoch in leicht geringerer Menge. Insgesamt verlagert sich der Handel stärker in Richtung Spanien.

Nach den Ergebnissen der Viehzählung vom Mai 2025 bleibt der Schweinebestand in Deutschland weitgehend stabil, während die Zahl der haltenden Betriebe sinkt. Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich die Zahl der Schweinehalter um 3,3 Prozent, besonders die Ferkelerzeugung ist betroffen. Trotz positiver Marktsignale rechnen die ISN-Analysten mit weiteren Betriebsaufgaben.

Die Bestände in Deutschland gehen insgesamt leicht zurück, liegen jedoch weiterhin unter den Werten der vergangenen zehn Jahre. Die Struktur der Branche verändert sich, da die Zahl der Betriebe stärker abnimmt als die Tierzahlen. Damit setzt sich der Trend zu größeren Einheiten fort. Vor allem in der Sauenhaltung stehen viele Betriebe vor der Entscheidung, ob sie hohe Investitionen für neue Vorgaben tätigen oder aussteigen. Auch in der Mast zeigt sich eine Entwicklung hin zu höheren Haltungsformen, sofern die gesetzlichen Rahmenbedingungen dies zulassen.

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