In Australien wurde der weltweit erste biologisch abbaubare mRNA-Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche (FMD) entwickelt. Das Land, das seit über 150 Jahren frei von dieser Viruskrankheit ist, reagiert damit auf die zunehmende Verbreitung der Tierseuche weltweit.
Die hochansteckende Maul- und Klauenseuche betrifft Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Sie ist in vielen Teilen Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens endemisch. Auch in Europa gab es zuletzt einzelne Nachweise bei Rindern, etwa in Deutschland, Ungarn und der Slowakei.
Obwohl Australien bislang von FMD verschont blieb, ist die Sorge vor einem möglichen Ausbruch groß. Nach Berechnungen der australischen Agrarbehörde ABARES könnte das wirtschaftliche Schadenspotenzial im Fall eines FMD-Eintrags bis zu 80 Milliarden australische Dollar betragen. Neben den Folgen für den Export wären auch Tiergesundheit und Betriebsabläufe massiv betroffen.
Der neue Impfstoff ist das Ergebnis eines fünfjährigen Forschungsprojekts im Umfang von 20 Millionen australischen Dollar. Beteiligt waren unter anderem Meat & Livestock Australia, das Biotechnologieunternehmen Tiba Biotech sowie die Regierung des Bundesstaats New South Wales. Die Entwicklung des Impfstoffs dauerte weniger als 18 Monate und kostete rund 2,5 Millionen australische Dollar.
Erste Versuche mit dem Impfstoff zeigten vielversprechende Ergebnisse. In Studien, die unter anderem in Deutschland durchgeführt wurden, entwickelten geimpfte Tiere eine starke Immunreaktion und blieben nach Kontakt mit dem Virus symptomfrei. Besonders bedeutsam: Die behandelten Rinder schieden das Virus nicht aus, was die Ausbreitung verhindern kann.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Impfstoffen enthält die neue mRNA-Variante keinen lebenden oder inaktivierten Erreger. Stattdessen regt sie den Organismus an, selbstständig eine Immunantwort aufzubauen. Die mRNA bleibt nur wenige Tage im Körper und hinterlässt schützende Antikörper. Die Sicherheit für Tiere und Konsumenten wurde laut Angaben der Entwickler bestätigt.
Bevor das Produkt auf den Markt kommt, muss es durch das Prüfverfahren der australischen Zulassungsbehörde APVMA. Erst nach erfolgreicher Bewertung darf der Impfstoff offiziell in der Tierhaltung eingesetzt werden.
Die Regierung von New South Wales betont die Bedeutung des Projekts für den Schutz der heimischen Nutztierhaltung. Die Möglichkeit, Impfstoffe für Tierseuchen im eigenen Land herzustellen, sei ein entscheidender Schritt für die Zukunftssicherung des Sektors.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Lagerfähigkeit. Der Impfstoff kann über längere Zeit bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden und bleibt auch bei Raumtemperatur bis zu einem Monat stabil. Diese Eigenschaft ist insbesondere im Einsatz auf landwirtschaftlichen Betrieben von hoher praktischer Relevanz.
Die beteiligten Partner forschen darüber hinaus an einem Impfstoff gegen die Lumpy-Skin-Krankheit, die ebenfalls eine Bedrohung für Australiens Tierbestand darstellt. Am Projekt beteiligt sind neben australischen Einrichtungen auch das Friedrich-Loeffler-Institut in Deutschland sowie die kanadische Lebensmittelüberwachungsbehörde.

