Mit der Eröffnung der DLG-Unternehmertage in Erfurt machte Präsident Hubertus Paetow deutlich, wie stark die deutsche Landwirtschaft mit den internationalen Handelsströmen verflochten ist. Spätestens seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und den handelspolitischen Eingriffen der USA werde dies für alle spürbar.
Paetow verwies auf die zunehmenden Unsicherheiten im weltweiten Wirtschaftsgeschehen. Strukturen, die lange als stabil galten, würden inzwischen infrage gestellt. Begriffe wie Protektionismus und geopolitische Machtpolitik prägen aus seiner Sicht zunehmend den globalen Rahmen, in dem die Landwirtschaft agieren muss.
Auch auf europäischer Ebene habe sich die Gewichtung verändert. Während früher Umwelt- und Klimaprojekte Vorrang hatten, sei der „Green Deal“ in der aktuellen Tagespolitik kaum noch präsent. Stattdessen dominiere wieder stärker die wirtschaftliche Dimension. Paetow kritisierte, dass der Staat oftmals versuche, Konsum und Wirtschaft detailliert zu steuern. Warnungen vor einem Verlust an Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit seien dagegen häufig unbeachtet geblieben.
Die Idee der nachhaltigen Entwicklung sei in der Vergangenheit zudem für gesellschaftspolitische Zwecke genutzt worden, die nicht unmittelbar mit Landwirtschaft oder Klima in Verbindung standen. Nach Ansicht des DLG-Präsidenten habe die Zeitenwende gezeigt, dass alleinige Umwelt- und Klimaziele keine ausreichende Grundlage für Stabilität seien. Wirtschaftliche Tragfähigkeit müsse stets mitgedacht werden.
Deutlich machte Paetow, dass nachhaltige Entwicklung nicht ausschließlich durch Regulierung erreichbar sei. Er verwies auf politische Vorhaben, die in der Umsetzung scheiterten und damit das Vertrauen in politische Steuerung schwächten.
Für die Zukunft der Landwirtschaft sieht er die entscheidenden Impulse auf den Betrieben selbst. Dort werde festgelegt, wie Fortschritt und Nachhaltigkeit zusammengeführt werden können. Wichtiger als Detailvorgaben sei ein gemeinsames Leitbild für die Entwicklung der Branche – unabhängig von Fragen zur Agrarförderung oder Pflanzenschutzmittelzulassung.
Die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft seien dabei ein zentraler Orientierungspunkt. Nur mit steigender Produktivität lasse sich die Wettbewerbsfähigkeit sichern und gleichzeitig der Spielraum für soziale wie ökologische Ziele erhalten.
