Für Landwirte in der Getreidebranche steht ein weiteres herausforderndes Jahr bevor. Die aktuellen Prognosen für 2026 deuten auf stagnierende Getreidepreise hin, sowohl für Weizen als auch für Raps. Diese Entwicklung wird durch die hohen Ernteschätzungen aus Südamerika, insbesondere Argentinien, zusätzlich verschärft, was den Preisdruck weiter erhöht.
Ruhiger Jahresendspurt am Getreidemarkt
Wie jedes Jahr um die Weihnachtszeit verlangsamt sich der Handel am Getreidemarkt erheblich. Der physische Handel kommt nahezu zum Stillstand und auch am Euronext-Terminmarkt ist der Betrieb eingeschränkt: Zwischen dem 24. und 26. Dezember sind lediglich zweieinhalb Handelstage angesetzt. Dies führt zu einem erwartungsgemäß niedrigen Handelsvolumen, das von geopolitischen Unsicherheiten und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen begleitet wird.
Der Euro hat sich jüngst etwas stabilisiert, während leichte Anzeichen einer Erholung beim Ölpreis zu verzeichnen sind. Trotz dieser Entwicklungen bleibt der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland bestehen, was die Exportlogistik erheblich beeinträchtigt. Dennoch konnte sich der Weizenpreis an der Euronext zuletzt etwas erholen, da europäischer Weizen wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt.
Weizen- und Maismärkte unter Druck
Die jüngsten Preisentwicklungen bei Weizen sind eine Herausforderung für die Betriebe: Der März-2026-Kontrakt fiel auf 185 €/t, was auch die nachfolgenden Termine bis zur neuen Ernte belastet. Gleichzeitig sehen sich Maisbauern mit ähnlichem Druck konfrontiert, da Maispreise zuletzt gleichauf mit Weizen gehandelt wurden.
Rapsmarkt zeigt Schwäche
Rapspreise erlebten kürzlich einen signifikanten Rückgang und markierten am Ende der letzten Woche ein neues Jahrestief. Am Montag konnten sie sich leicht erholen und stiegen um 3,50 Euro auf 457,75 Euro je Tonne an. Dennoch bleibt die Situation angespannt: Der Februar-2026-Kontrakt schloss mit einem Minus von 6,75 €/t bei 454,25 €/t.
Nicht nur Raps ist betroffen; auch andere Ölsaaten wie Canola in Kanada erleben Preisdruck. Seit Anfang Dezember hat der Januar-2026-Kontrakt in Winnipeg um -9,2 % nachgegeben. Hohe Palmölbestände in Malaysia sowie günstige Wetterbedingungen in Brasilien belasten den Markt zusätzlich.
Südamerikas Einfluss auf globale Märkte
Argentinien meldet eine Rekord-Weizenernte von 27,1 Millionen Tonnen – eine Steigerung um 1,6 Millionen Tonnen gegenüber früheren Schätzungen. Dieses Überangebot drückt auf die internationalen Märkte und mindert die Wettbewerbsfähigkeit von US-Weizen.
Auch in Brasilien und Argentinien verbessern sich die Produktionsbedingungen für Mais und Soja bis 2026 dank günstiger Wetterverhältnisse. Diese Entwicklungen führen zu weiteren Herausforderungen für Landwirte weltweit.
Anbauflächen in Deutschland nahezu unverändert
Trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen bleibt die Aussaatfläche für Wintergetreide in Deutschland stabil bei 5 Millionen Hektar. Winterweizen wurde auf etwa 2,9 Millionen Hektar ausgesät, was nahezu keine Veränderung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Allerdings verzeichnet Wintergerste einen Flächenzuwachs von 4,9 %, ebenso wie Winterraps mit einer Ausdehnung um ebenfalls 4,9 %.
In Frankreich wird für Winterweizen ein Anstieg der Anbaufläche um 2,3 % erwartet – trotz hoher Produktionskosten und wirtschaftlicher Unsicherheiten.
