Die Handelsbeziehungen zwischen China und Kanada haben kürzlich eine bedeutende Wende erfahren. China hat beschlossen, die Antidumpingzölle auf kanadischen Raps – auch bekannt als Canola – drastisch zu reduzieren. Seit Anfang März gilt ein neuer Antidumpingzollsatz von 5,9 %, der zusätzlich zu einem bestehenden Einfuhrzoll von 9 % erhoben wird. Insgesamt ergeben sich somit Importabgaben in Höhe von 14,9 % des Warenwertes.
Hintergrund der Zollsenkung
Diese Entscheidung stellt eine erhebliche Senkung im Vergleich zum vorherigen vorläufigen Zoll von 75,8 % dar, der im letzten Herbst festgelegt wurde. Der Gesamtsatz hatte damals fast 85 % erreicht. Die jetzige Anpassung folgt einer Vereinbarung zwischen den beiden Staaten, die im Januar während des Besuchs des kanadischen Premierministers Mark Carney getroffen wurde. Ottawa hatte bereits damals angekündigt, dass China zugestimmt habe, die kombinierten Einfuhrzölle ab März auf etwa 15 % zu senken.
Zusammenhang mit chinesischen Elektroauto-Importen
Anlässlich seines Antrittsbesuchs in China erklärte Premierminister Carney zudem, dass Kanada die Rahmenbedingungen für den Import chinesischer Elektroautos verbessern werde. Das zeitliche Zusammentreffen dieser Ankündigung mit den Zöllen auf Canola deutet darauf hin, dass das chinesische Antidumpingverfahren eine Reaktion auf Kanadas damalige Entscheidung war, Einfuhrzölle auf chinesische E-Autos zu erheben. Beobachter vermuteten bereits damals, dass es sich um eine Vergeltungsmaßnahme handeln könnte.
Marktauswirkungen und australische Konkurrenz
Vor dem Handelskonflikt exportierten kanadische Erzeuger jährlich Canolasaat im Wert von etwa 2,5 Milliarden Euro nach China. Als weltgrößter Importeur von Raps war China bisher der wichtigste Markt für Kanada. Laut Jost Schliep von der Agravis Raiffeisen AG könnten die neuen Zollbedingungen nun die Exportfähigkeit des kanadischen Rapses nachhaltig stärken und potenzielle Wettbewerbsvorteile für Australien zunichtemachen.
Aber auch phytosanitäre Bedenken seitens Chinas erschweren weiterhin den Export australischen Rapses in die Volksrepublik. Schliep sieht daher die Möglichkeit, dass mehr australischer Raps verstärkt in Europa abgesetzt wird. Jede Tonne kanadischer Raps, die nach China geht, könnte demnach australische Saat ersetzen, welche dann womöglich nach Europa exportiert wird. Da ein Großteil des australischen Rapses nicht genetisch modifiziert ist, passt er gut zu den Anforderungen des europäischen Marktes und könnte so eine Verschiebung der Handelsströme bewirken.
