Wer glaubt, ein Oberklasse-SUV sei teuer, kennt diese Maschinen nicht: Die teuersten Traktoren, die in Deutschland verkauft werden, kosten mehr als ein Einfamilienhaus. Wir zeigen, welche Boliden die Preisliste anführen – und was man dafür bekommt.
Ein mittelgroßer Traktor mit 150 PS kostet heute zwischen 100.000 und 200.000 Euro. Das ist viel Geld – aber nur ein Bruchteil dessen, was für die absoluten Spitzenmodelle fällig wird. Die größten Traktoren auf dem deutschen Markt knacken längst die 500.000-Euro-Marke. In Vollausstattung kratzen manche sogar an der Million.
Hier sind die fünf teuersten Traktoren, die Sie 2025 in Deutschland kaufen können – mit allen Fakten zu Leistung, Technik und natürlich dem Preis.
Platz 1: Claas Xerion 12.650 Terra Trac – ab 739.605 €
Der Claas Xerion 12.650 ist nicht nur der teuerste Traktor aus deutscher Produktion, sondern auch der größte, den Claas jemals gebaut hat. Mit einem Listenpreis von 739.605 Euro (netto) in der Basisversion Terra Trac sprengt er alle bisherigen Dimensionen.
Die Fakten:
- Leistung: 653 PS (480 kW) aus einem Mercedes-Benz-Reihensechszylinder mit 15,6 l Hubraum
- Drehmoment: 3.100 Nm bei nur 1.300 U/min
- Getriebe: ZF Eccom 5.5 Stufenlosgetriebe (CMATIC)
- Hydraulik: Bis zu 537 l/min aus drei Pumpen – Spitzenwert im Segment
- Besonderheit: Gewinner des Tractor of the Year 2024
Was den Preis treibt: Der Xerion 12.650 ist für Märkte wie Nordamerika und Australien entwickelt, wo 15-Meter-Grubber und riesige Airseeder gezogen werden müssen. Für den deutschen Markt ist vor allem die Terra-Trac-Version mit Dreiecksraupen relevant, die unter 3 Meter Breite bleibt. Mit Optionen wie dem CEMIS-Paket (15.480 €), Heckkraftheber (27.550 €) und Heckzapfwelle (18.940 €) steigt der Endpreis schnell auf über 850.000 Euro.
Platz 2: John Deere 9RX 640 – ab ca. 700.000 €
Der John Deere 9RX 640 ist das absolute Flaggschiff der grün-gelben Flotte. Mit 691 PS Maximalleistung ist er der stärkste Traktor, den John Deere jemals gebaut hat. In Deutschland werden Neumaschinen ab etwa 700.000 Euro gehandelt – vollausgestattet auch deutlich darüber.
Die Fakten:
- Leistung: 640 PS (691 PS Maximalleistung mit IPM)
- Motor: Cummins 15-Liter-Dieselmotor
- Antrieb: Vierband-Raupenfahrwerk mit Knickgelenk
- Getriebe: e18 PowerShift mit 18 Vorwärts- und 6 Rückwärtsgängen
- Hydraulik: Doppelpumpe mit 416 l/min, bis zu 8 Steuergeräte
Gebrauchtmarkt-Realität: Ein 2023er-Modell mit 645 Betriebsstunden wird aktuell für 556.325 Euro (brutto) angeboten. Neumaschinen mit Vollausstattung (Signature Edition, integrierter StarFire-Empfänger, Autonomy-Vorbereitung) liegen deutlich über 700.000 Euro.
Platz 3: Claas Xerion 12.590 Terra Trac – ab 706.045 €
Der „kleine Bruder“ des 12.650 ist mit 585 PS immer noch ein Gigant – und nur knapp 34.000 Euro günstiger. Der Xerion 12.590 teilt sich die Plattform mit dem Topmodell, bietet aber etwas weniger Motorleistung.
Die Fakten:
- Leistung: 585 PS (430 kW)
- Motor: Mercedes-Benz 15,6-Liter-Reihensechszylinder
- Drehmoment: 2.850 Nm
- Kabine: Größer als bei Case IH Quadtrac oder John Deere 9RX
- Wartungsintervall: 1.000 Betriebsstunden
Warum so teuer? Claas argumentiert mit „Stärke ist mehr als Kraft“: Der niedrige Kraftstoffverbrauch, das lange Wartungsintervall und die hohe Zugeffizienz sollen die Anschaffungskosten über die Lebensdauer relativieren. Ob sich das rechnet, hängt vom Einsatzprofil ab.
Platz 4: Case IH Steiger 620 Quadtrac – ab ca. 550.000 €
Der Case IH Quadtrac war 1997 der erste Traktor mit vier unabhängigen Raupenfahrwerken und Knickgelenk – eine Revolution. Der Steiger 620 Quadtrac ist das aktuelle Topmodell und kostet neu ab etwa 550.000 Euro.
Die Fakten:
- Leistung: 620 PS (bis 680 PS Maximalleistung)
- Motor: FPT Cursor 13 mit HI-eSCR2-Abgastechnik
- Antrieb: Vier unabhängige Dreiecksraupen mit Knickgelenk
- Hydraulik: Twin-Flow-Doppelpumpe, bis zu 6 Steuergeräte
- Aufstandsfläche: 5,6 m² mit 762-mm-Gummibändern
Preisspanne: Auf internationalen Plattformen werden Steiger 620 Quadtrac zwischen 143.500 und 686.662 US-Dollar gehandelt. In Deutschland beginnen Neupreise bei etwa 550.000 Euro – je nach Ausstattung.
Platz 5: Fendt 1050 Vario Gen3 – ab ca. 430.000 €
Der Fendt 1050 Vario ist das Flaggschiff aus Marktoberdorf und der meistverkaufte Großtraktor in Deutschland. Er ist deutlich günstiger als die Raupengiganten, aber mit 517 PS immer noch eine Ansage.
Die Fakten:
- Leistung: 517 PS (380 kW)
- Motor: MAN 9-Liter-Sechszylinder mit Niedrigdrehzahlkonzept (Fendt iD)
- Getriebe: VarioDrive stufenlos – 60 km/h bei nur 1.450 U/min
- DLG-PowerMix: 233 g/kWh – sparsamster Traktor aller Zeiten
- Besonderheit: Kompakte Bauweise trotz hoher Leistung
Preis-Realität: Ein neuer Fendt 1050 Vario Gen3 kostet ab etwa 428.000 Euro (brutto). In der ProfiPlus-Ausstattung mit allen Extras werden schnell 480.000 Euro und mehr fällig. Gebrauchte Modelle von 2023 mit 1.000 Stunden liegen bei 345.000 bis 360.000 Euro.
Preisübersicht: Die Top 5 im Vergleich
| Platz | Modell | Listenpreis (netto)* | Leistung | Antrieb |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Claas Xerion 12.650 Terra Trac | 739.605 € | 653 PS | Vierband-Raupe |
| 2 | John Deere 9RX 640 | ca. 590.000 € | 640 PS | Vierband-Raupe |
| 3 | Claas Xerion 12.590 Terra Trac | 706.045 € | 585 PS | Vierband-Raupe |
| 4 | Case IH Steiger 620 Quadtrac | ca. 460.000 € | 620 PS | Vierband-Raupe |
| 5 | Fendt 1050 Vario Gen3 | ca. 360.000 € | 517 PS | Räder |
*Basisausstattung, ohne MwSt., Preise können je nach Händler und Ausstattung stark variieren
Was rechtfertigt diese Preise?
Die teuersten Traktoren sind keine Statussymbole, sondern Arbeitsmaschinen für Großbetriebe und Lohnunternehmer. Ein Claas Xerion 12.650 zieht problemlos einen 15-Meter-Grubber oder versorgt die größten Airseeder mit 537 l/min Hydraulikölstrom.
Die Rechnung für Großbetriebe:
Ein 25.000-Hektar-Betrieb in Tschechien kaufte kürzlich 17 Claas Xerion 12 Terra Trac auf einen Schlag. Bei dieser Betriebsgröße amortisiert sich die höhere Anschaffung durch:
- Höhere Flächenleistung (bis zu 16 % mehr laut Claas)
- Geringerer Kraftstoffverbrauch pro Hektar
- Längere Wartungsintervalle (1.000 statt 500 Stunden)
- Bessere Restwerte durch Premium-Marken
Zum Vergleich: Was kostet ein „normaler“ Traktor?
| Leistungsklasse | Preisbereich (Neumaschine) | Typische Modelle |
|---|---|---|
| 100–150 PS | 80.000–150.000 € | Fendt 314 Vario, John Deere 6R 150 |
| 150–200 PS | 130.000–200.000 € | Claas Arion 660, Fendt 516 Vario |
| 200–300 PS | 180.000–300.000 € | Fendt 728 Vario, John Deere 6R 250 |
| 300–400 PS | 280.000–400.000 € | Fendt 942 Vario, Claas Axion 960 |
| 400+ PS | ab 350.000 € | Fendt 1050 Vario, Claas Xerion 5000 |
Der Sprung von einem 300-PS-Traktor für 300.000 Euro zu einem 650-PS-Riesen für 750.000 Euro bedeutet also: doppelte Leistung für den 2,5-fachen Preis.
Fazit: Lohnt sich ein Traktor für über 500.000 Euro?
Für den durchschnittlichen deutschen Ackerbaubetrieb mit 100 bis 200 Hektar: definitiv nicht. Diese Maschinen sind für Betriebsgrößen jenseits von 2.000 Hektar oder für spezialisierte Lohnunternehmen konzipiert.
Aber: Die Technik aus den Flaggschiffen wandert nach unten. Der Fendt 728 Vario profitiert vom Niedrigdrehzahlkonzept des 1050 Vario, und die GPS-Technik aus dem Xerion 12 findet sich auch im Arion 660.
Wer also einen Claas Xerion 12.650 auf dem Feld sieht, kann zumindest wissen: Dort fährt ein rollender Gegenwert von zwei Einfamilienhäusern – mit 653 PS und 3.100 Nm Drehmoment.
Quellen: Claas Konfigurator, John Deere, Case IH, Fendt, technikboerse.com, agrarheute. Stand: Januar 2026. Alle Preise Listenpreise ohne MwSt., Endpreise können durch Optionen und Händlerkonditionen erheblich abweichen.





