Die Nordzucker AG steht vor finanziellen Herausforderungen, obwohl die Rübenernte 2025/26 erfolgreich war. Der Konzern erwartet erhebliche Verluste im hohen zweistelligen Millionenbereich und plant, die Rübenpreise zu senken, um den wirtschaftlichen Druck zu mindern.
Erfolgreiche Verarbeitung, aber finanzielle Verluste
Im Januar berichtete Nordzucker über einen reibungslosen Verlauf der Rübenkampagne. Die Verarbeitung in Finnland und Litauen wurde bereits im Dezember abgeschlossen, während die deutschen Standorte bis Ende Januar arbeiteten. Danach folgten die Werke in Schweden, der Slowakei, Dänemark und Polen. Weltweit lagen die Rübenerträge deutlich über dem Durchschnitt, mit Zuckergehalten zwischen 16% und 18%, was auf günstige Wetterbedingungen zurückzuführen ist.
Auch in Australien konnte die Tochtergesellschaft Mackay Sugar ihre Zuckerrohrverarbeitung mit 4,8 Millionen Tonnen erfolgreich abschließen. Trotz dieser positiven Ernteergebnisse steht das Unternehmen jedoch unter dem Druck sinkender Weltmarktpreise.
Druck durch niedrige Zuckerpreise
Seit Mai 2025 sind die Zuckerpreise weltweit gesunken und haben den niedrigsten Stand seit vier Jahren erreicht. Dies ist auf hohe Ernteerträge in wichtigen Produktionsländern wie Brasilien, Indien und der EU zurückzuführen sowie auf Unsicherheiten durch Zölle und Wechselkursschwankungen. Zudem hat ein Rückgang des Zuckerkonsums den Absatz beeinträchtigt. Alexander Godow von Nordzucker erklärte, dass aufgrund dieser Marktdynamiken derzeit keine wesentliche Preissteigerung zu erwarten sei.
Kostensenkungsmaßnahmen als Reaktion
Angesichts dieser Herausforderungen plant Nordzucker ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Kostenoptimierung. CFO Alexander Bott betonte, dass die außergewöhnlichen Marktentwicklungen das Geschäft erheblich belasten. Zu den geplanten Maßnahmen gehören die Intensivierung von Exzellenzprogrammen, Anpassungen im Investitionsbudget sowie Optimierungen bei den Verwaltungskosten und Rübenpreismodellen.
CEO Lars Gorissen deutete an, dass nach mehreren Jahren hoher Rübenpreise nun auch Preissenkungen notwendig seien. Ein zusätzliches Sofortprogramm soll weitere Einsparungen für die kommenden zwei Jahre erarbeiten.
Fortschritte bei der Dekarbonisierung
Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen zeigt sich das GoGreen-Programm zur Dekarbonisierung als Erfolg: Nordzucker konnte seine Energieeffizienz verbessern und den CO₂-Ausstoß signifikant senken. Dies wurde durch Effizienzsteigerungen in den Werken und die Nutzung von Biogas aus Rübenschnitzeln erreicht.
Nordzucker gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Zucker aus Zuckerrüben und Zuckerrohr. Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro und beschäftigt rund 4.100 Mitarbeiter an 19 Standorten in Europa und Australien.
