In deutschen Milchkuhbetrieben wird intensiv daran gearbeitet, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Ein vielversprechender Ansatz ist das viertelselektive Trockenstellen, das im Rahmen des Projekts „MinimA“ von 16 Betrieben über zwei Jahre hinweg getestet wurde. Dank dieser Methode konnte der Antibiotikaeinsatz erheblich verringert werden, ohne die Gesundheit der Euter zu gefährden.
Viertelselektive Behandlung reduziert Antibiotika
Im Zentrum des Projekts stand die Frage, wie durch gezielte Behandlungen einzelner Euterviertel der Antibiotikaverbrauch gesenkt werden kann. Wichtig ist dabei, dass jedes Viertel einer Kuh als eigene funktionale Einheit betrachtet wird, weshalb Infektionen meist nur auf bestimmte Abschnitte beschränkt sind. Durch diese selektive Herangehensweise wurden im Durchschnitt nur 8,1 % der Viertel behandelt, was zu einer signifikanten Einsparung führte.
Unterscheidung zwischen Erregergruppen
Ein zentraler Bestandteil des Prozesses ist die bakteriologische Untersuchung von Milchproben etwa zwei Wochen vor dem geplanten Trockenstellen. Diese Analysen helfen Landwirten zu entscheiden, ob eine antibiotische Behandlung notwendig ist. Bei Infektionen mit majorpathogenen Erregern wurde gezielt ein antibiotischer Trockensteller eingesetzt, während bei minorpathogenen Erregern oft auf eine Behandlung verzichtet wurde – mit einer hohen Selbstheilungsrate von über 80 %.
Herausforderungen und rechtliche Hürden
Trotz der positiven Ergebnisse gibt es rechtliche Unsicherheiten. Die aktuelle EU-Verordnung schreibt vor, dass Tierarzneimittel gemäß den Produktinformationen angewendet werden müssen, was bedeutet, dass alle vier Viertel gleichzeitig behandelt werden sollen. Diese Regelung steht im Widerspruch zum Ziel der Antibiotikareduktion und erfordert Anpassungen in den Zulassungsbedingungen. Eine wissenschaftliche Stellungnahme hierzu wird für März 2026 erwartet.
Organisation und Hygiene als Schlüsselfaktoren
Für einen erfolgreichen Einsatz dieser Methode müssen Landwirte gut organisiert sein und strenge Hygienemaßnahmen einhalten. Sauberes Arbeiten bei der Probenahme und während der Behandlung ist entscheidend. Verwechslungen der Viertel sollten vermieden und die Proben mindestens 14 Tage vor dem Trockenstellen entnommen werden.
Leitfaden für interessierte Betriebe
Um den Einstieg in das viertelselektive Trockenstellen zu erleichtern, hat „MinimA“ einen umfassenden Handlungsleitfaden erstellt. Dieser Leitfaden enthält wertvolle Tipps und Informationen zur Umsetzung des Verfahrens und ist online kostenlos verfügbar.
Letztlich zeigt das Projekt „MinimA“, dass durch gezielte Maßnahmen nicht nur erhebliche Mengen an Antibiotika eingespart werden können, sondern auch die Eutergesundheit erhalten bleibt. Für Landwirte bedeutet dies einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Landwirtschaft – vorausgesetzt, es gelingt eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen.
