Die Diskussion um Elektrotraktoren als Zukunft der Landwirtschaft bleibt für viele Betriebe derzeit noch in weiter Ferne. Obwohl die E-Mobilität in vielen Bereichen gefördert und als zukunftsweisend angesehen wird, sind Elektrotraktoren auf den Höfen noch selten. Die hohen Anschaffungskosten, technische Einschränkungen und das begrenzte Angebot an verfügbaren Modellen erschweren die breite Akzeptanz.
Herausforderungen bei der Einführung von Elektrotraktoren
Bisher sind elektrisch betriebene Traktoren auf landwirtschaftlichen Betrieben kaum verbreitet. Von den jährlich rund 30.000 neu zugelassenen Traktoren in Deutschland fahren Schätzungen zufolge nur etwa 30 elektrisch, wobei der Großteil davon in Kommunen oder Industriebetrieben zum Einsatz kommt. Für Landwirte bedeutet dies, dass Elektrotraktoren bislang keine ernstzunehmende Alternative zu Dieseltraktoren darstellen.
Die Auswahl an serienreifen Elektrotraktoren ist zudem stark begrenzt. Fendt hat 2024 mit dem e100 Vario als erster Hersteller die Serienproduktion eines elektrischen Traktors gestartet, doch genaue Verkaufszahlen bleiben unklar. Der Rigitrac SKE 40 e-Direct Electric aus der Schweiz ist seit 2023 etwas länger verfügbar, findet jedoch überwiegend im Kommunalbereich Einsatz.
Technische und wirtschaftliche Barrieren
Während Lkw-Hersteller wie Volvo und Mercedes bereits erfolgreich Elektro-Trucks anbieten, stehen Landmaschinen vor anderen Herausforderungen. Ein wesentlicher Punkt ist der Platz für Batterien, der bei Traktoren deutlich eingeschränkt ist. Zudem fehlt es in der Landwirtschaft oft an einer geeigneten Ladeinfrastruktur im Vergleich zu anderen Branchen.
Auch die Kostenfrage spielt eine erhebliche Rolle: Die Anschaffungskosten für Elektrotraktoren liegen etwa 60 bis 90 Prozent über denen von Dieselmodellen. Beispielsweise kostet ein Fendt e100 Vario schätzungsweise rund 210.000 Euro, was für viele Landwirte eine große Investition bedeutet.
Fördermöglichkeiten und Zukunftsperspektiven
Die Förderung für Elektrotraktoren in Deutschland endete 2024, jedoch plant die Rentenbank ab 2026 ein neues Förderprogramm für Landwirte, das auch Ladeinfrastrukturen einschließt. Dies könnte einen Anreiz schaffen, auf E-Mobilität umzusteigen.
Zwar gibt es bisher keine umfassenden Lösungen für Traktoren mit höherer PS-Leistung, aber für kleinere Maschinen bis etwa 100 PS bietet sich ein Einsatz an. Diese könnten insbesondere bei Arbeiten auf Höfen oder im Stall von Vorteil sein durch ihre geringe Lärmbelastung und Emissionsfreiheit.
Neue Ansätze und Anreize
Neben technologischen Weiterentwicklungen könnten auch Marktanreize helfen: Produkte mit einem niedrigen CO2-Fußabdruck könnten künftig Zuschläge erhalten, was den Einsatz von Elektrotraktoren attraktiver machen könnte. Erste Molkereien haben solche Modelle bereits eingeführt.

