Wissenschaftler suchen intensiv nach innovativen Ansätzen zur zielgerichteten Kontrolle der Schilf-Glasflügelzikade. Das Julius Kühn-Institut (JKI) entwickelt derzeit ein vielversprechendes Forschungsvorhaben, bei dem Duftstoffe als Waffe gegen den gefährlichen Schädling eingesetzt werden sollen.
Das winzige Insekt stellt eine ernste Bedrohung für verschiedene Kulturen dar. Neben Zuckerrüben gefährdet es auch Kartoffeln, Zwiebeln und diverse Gemüsesorten, da es bakterielle Erreger weitergibt, die schwerwiegende Pflanzeninfektionen auslösen können.
Bakterien verwenden die Zikade als lebenden Transportmechanismus und lösen Krankheitsbilder wie das Syndrom des reduzierten Zuckergehalts (SBR) aus. Diese Erkrankung kann zu beträchtlichen finanziellen Einbußen in der Landwirtschaft führen.
Wissenschaftler des Projekts „Beet-Protect“ am JKI erforschen Infochemikalien, die sowohl von Pflanzen als auch von Insekten abgegeben werden und in der natürlichen Verständigung eine wichtige Funktion übernehmen. Die Forschung konzentriert sich darauf, jene Duftmoleküle zu identifizieren, die eine abschreckende Wirkung auf die Zikaden haben.
Durch die Bestimmung dieser chemischen Verbindungen und die Analyse des Saugverhaltens der Insekten wollen die Forscher deren weitere Ausbreitung und die Übertragung von Krankheitserregern stoppen. Die chemische Verständigung und das Verhalten der Zikade werden dabei detailliert analysiert, um wirkungsvolle Gegenmaßnahmen zu erarbeiten.
Das Forschungsvorhaben teilt sich in zwei Bereiche auf, die gemeinsam die Grundlage für die Herstellung von Lockstoffen oder Repellentien gegen die Schilf-Glasflügelzikaden bilden sollen. Verschiedene Verfahren wie Elektroantennografie und Elektropenetrografie kommen zum Einsatz, um die Reaktionen der Zikaden auf spezifische Chemikalien zu messen.
Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt von der Zuckerindustrie, die den einheimischen Anbau von Rüben und weiteren Nutzpflanzen absichern möchte. Die Kontrolle der SBR-Erkrankung und der Schilf-Glasflügelzikade erweist sich als komplexe Aufgabe für die Landwirtschaft, da die Verbreitung des Schädlings beträchtliche Schäden anrichten kann.
Mittels der Erforschung neuartiger Methoden und der Erarbeitung erfolgreicher Strategien streben die Wissenschaftler an, den Befall durch die Zikade zu begrenzen und die Erträge der Kulturen zu stabilisieren. Biologische Bekämpfungsverfahren und die Identifizierung natürlicher Antagonisten stehen dabei im Zentrum der Bemühungen, um die Auswirkungen der Krankheit auf den Ackerbau zu reduzieren.
