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Weltlandfrauentag: Herausforderungen und Chancen für Frauen in der Landwirtschaft

Am 15. Oktober, dem Weltlandfrauentag, rückt die essentielle Rolle der Frauen in der Agrarwirtschaft in den Fokus. Trotz ihres entscheidenden Beitrags zur Nahrungsmittelversorgung sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor selten vertreten. Die umfassende „Frauen.Leben.Landwirtschaft“-Studie aus dem Jahr 2022, die 7.345 Landwirtinnen zu ihrer Situation befragte, liefert wichtige Einblicke in diese Problematik.

In der Landwirtschaft besteht weiterhin ein erhebliches Ungleichgewicht in Bezug auf Gleichberechtigung. Frauen fällt es oft schwer, sich in dieser Branche zu etablieren oder familieneigene Betriebe zu übernehmen. Trotzdem übernehmen sie häufig sämtliche Aufgaben und Rollen auf den Höfen. Die Studie zeigt, dass fast drei Viertel der befragten Frauen maßgeblich an strategischen und unternehmerischen Entscheidungen beteiligt sind. 62 Prozent kümmern sich um die Buchhaltung und die Finanzen. Jedoch steht nur 11 Prozent der Betrieb komplett im Eigentum, während 24 Prozent zumindest teilweise Land oder Gebäude besitzen. Im Durchschnitt verdienen Frauen in der Landwirtschaft 20 % weniger als ihre männlichen Kollegen.

Die Doppelbelastung durch Betriebs- und Familienarbeit ist erheblich. Frauen leisten durchschnittlich zusätzlich vier Stunden täglich unbezahlte Pflege- und Betreuungsarbeit. Konflikte zwischen Generationen und innerhalb der Familie, die Sorge um Kinder und ältere Angehörige sowie Zukunftsängste sind an der Tagesordnung. Laut Studie sind 21 Prozent der befragten Landwirtinnen von Burn-out bedroht – eine Zahl, die zum Handeln auffordert.

Auffallend ist auch die finanzielle Absicherung im Falle einer Scheidung: Nur 18 Prozent der verheirateten Frauen in der Landwirtschaft sind durch Ehe- oder Partnerschaftsverträge geschützt. Diese Erkenntnis unterstreicht den Bedarf an frühzeitiger Vorsorge für die soziale Sicherung im Alter.

Die infrastrukturelle Anbindung ruraler Regionen stellt eine weitere große Herausforderung dar: Mehr als die Hälfte der befragten Frauen hat schlechten oder keinen Zugang zu öffentlichem Nahverkehr. Die durchschnittliche Distanz zur nächsten Kinderbetreuungseinrichtung beträgt 3,7 km, zur Grundschule 4,4 km und zum Hausarzt 6,3 km. Frauen übernehmen oft die Rolle des „Müttertaxis“, um Familienmitglieder zu transportieren. Die Studie weist darauf hin, dass die infrastrukturelle Anbindung in vielen ländlichen Regionen im Vergleich zu den besten Kommunen Deutschlands stark verbesserungsbedürftig ist.

Diese Herausforderungen zeigen deutlich, dass politische Maßnahmen erforderlich sind, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen und das Leben auf dem Land für alle Bewohner zu erleichtern. Der Weltlandfrauentag ist eine Gelegenheit, diese wichtigen Themen in den Vordergrund zu rücken und Lösungen zu fördern.

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