Während der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zunehmend auf Haltungsformen setzt, die mehr Tierwohl versprechen, stehen Landwirte wie Philipp Hansen vor erheblichen Herausforderungen. Immer mehr Schlachthöfe schließen, während die Verfügbarkeit von Ferkeln knapp bleibt. Dies zwingt Schweinemäster dazu, sich intensiv mit der Optimierung ihrer Betriebe auseinanderzusetzen.
Ein Blick in die Praxis
Philipp Hansen, ein erfahrener Schweinemäster aus Schleswig-Holstein, erzielt beeindruckende Ergebnisse in der Mast: Seine Schweine erreichen fast 1.100 Gramm tägliche Gewichtszunahme bei einer Futterverwertung von 1:2,58. Diese Leistungen ermöglichen ihm bis zu 3,3 Umtriebe pro Jahr. Hansen betreibt zusammen mit seinem Cousin und einem weiteren Partner eine GbR mit insgesamt 4.000 Mastplätzen und 700 Hektar Ackerbau.
Die Ställe der GbR entsprechen den QS-Standards (Haltungsform 1) und sind mit moderner Technik ausgestattet. Dennoch sieht sich Hansen in seiner Vermarktungsstrategie zunehmend eingeschränkt. Durch die Schließung diverser Schlachthöfe müssen seine Schweine längere Transportwege zurücklegen, was die Kosten erhöht.
ITW als gescheiterte Option
Früher hatte Hansen gute Erfahrungen mit der Initiative Tierwohl (ITW) gemacht. Doch als sein Abnehmer Tönnies im Jahr 2021 begann, verstärkt auf ITW-Tiere zu setzen und QS-Verträge nur noch ohne neue Vereinbarungen weiterzuführen, sah sich Hansen gezwungen umzudenken. Anfangs schien der Übergang vielversprechend: Die Tiere hatten mehr Platz und erhielten Raufutter, was die Stresslevel reduzierte und die Produktionsleistung erhöhte.
Doch bereits ein Jahr später änderte Tönnies seine Strategie erneut aufgrund mangelnder Nachfrage nach ITW-Fleisch. Dies führte zu einem Rückzug aus dem Programm für viele Landwirte wie Hansen. Die Einführung eines Sonderabzugs für ausländische Ferkel durch Tönnies belastete den Mäster zusätzlich finanziell.
Vermarktung und Monopolbildung
Mit der zunehmenden Monopolisierung im Schlachtsektor sieht sich Hansen vor große Herausforderungen gestellt. In Norddeutschland bleibt ihm fast nur noch Tönnies als Abnehmer übrig. Die Transportwege werden dadurch länger und kostenintensiver.
Zudem gibt es regionale Einschränkungen im Futtereinkauf: Nur noch ein Lieferant dominiert den Markt für Fertigfutter in seiner Region. Alternative Strategien wie das eigene Mischen von Futter stoßen auf logistische und finanzielle Grenzen.
Zukunftsausblick
Trotz dieser Widrigkeiten ist Hansen bestrebt, die Effizienz seines Betriebs kontinuierlich zu steigern. Mithilfe regelmäßiger Auswertungen von Produktionsdaten zusammen mit Experten versucht er, Optimierungspotenziale zu identifizieren.
Laut aktuellen Erhebungen liegt der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Ferkeln bei lediglich etwa 80 Prozent. Daher wird auch weiterhin auf Importe zurückgegriffen werden müssen. Für Landwirte bedeutet dies eine anhaltende Abhängigkeit von ausländischen Zuchtbetrieben.
Trotz aller Unsicherheiten ist Philipp Hansen überzeugt davon, dass QS-zertifizierte Ware weiterhin ihre Berechtigung im Handel haben wird – insbesondere bei verarbeiteten Produkten und im Außer-Haus-Verzehr bleibt das Interesse an Tierwohl gering.
