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Fleischkonsum und Klimaschutz spalten die Diskussion

Im August äußerte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer in einem Fernsehinterview mit dem ARD-Magazin Panorama, dass der Klimaschutz für die Bundesregierung von hoher Bedeutung sei, jedoch keinen Bezug zum Fleischverzehr habe. Mit dieser Aussage sorgte er für starke Reaktionen, da Vertreter der Klimaforschung deutlich widersprachen. Auch innerhalb des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurde über die Einordnung seiner Worte beraten, ohne dass klar war, ob es sich um die offizielle Linie des Ministers handelte.

Die AfD-Bundestagsfraktion griff das Thema auf und stellte eine schriftliche Anfrage an das Ministerium. Der Parlamentarische Geschäftsführer Peter Felser wollte wissen, ob die Bundesregierung die Auffassung des Ministers teilt oder eher der Einschätzung von Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung folgt. Dieser hatte betont, dass eine Reduktion des Fleischkonsums um rund 70 Prozent notwendig sei, um die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen.

In der Antwort machte die Parlamentarische Staatssekretärin Silvia Breher deutlich, dass Klimaschutzmaßnahmen nicht isoliert betrachtet werden könnten. Sie erklärte, dass das Erreichen der Klimaziele nur durch das Zusammenspiel verschiedener Bereiche möglich sei. Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Sektoren müssten berücksichtigt werden, um eine ausgewogene Strategie zu entwickeln.

Breher verwies zudem auf Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Diese rät Erwachsenen, den Fleischverzehr auf maximal 300 Gramm pro Woche zu begrenzen. Der aktuelle Durchschnitt in Deutschland liegt allerdings bei rund einem Kilogramm pro Woche und pro Person. Konkrete Vorgaben zum Konsumverhalten macht die Bundesregierung jedoch nicht.

Peter Felser zeigte sich kritisch gegenüber den unterschiedlichen Aussagen von Minister Rainer und Staatssekretärin Breher. Er sprach von einer fehlenden Geschlossenheit in der Frage, ob Fleischkonsum ein relevanter Klimafaktor sei. Während der Minister den Verzehr von Fleisch nicht als Problem darstellen wolle, betonte die Staatssekretärin dessen Einfluss auf die Klimabilanz. Für landwirtschaftliche Betriebe, die schon heute mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert sind, wirkt diese Uneinigkeit besonders schwer.

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