Die Neugestaltung des Düngerechts in Deutschland nimmt Fahrt auf: Bis zur Düngesaison 2027 soll ein praxistauglicherer und weniger bürokratischer Rechtsrahmen geschaffen werden. Dieses Vorhaben beschloss die Agrarministerkonferenz (AMK) der Länder kürzlich in Bad Reichenhall. Das Ziel ist es, den Gewässerschutz zu gewährleisten, während gleichzeitig die Effizienz landwirtschaftlicher Betriebe gesteigert wird. Der ambitionierte Zeitplan wirft jedoch Fragen auf, ob er realisierbar ist.
Neuausrichtung des Düngerechts: Weniger Bürokratie, mehr Effektivität
Die Minister der Länder haben sich darauf geeinigt, dass das neue Düngerecht einfacher zu handhaben und dennoch effektiv im Gewässerschutz sein soll. Die bisherigen administrativen Hürden sollen für die Betriebe deutlich reduziert werden, ohne den Schutz der Gewässer zu vernachlässigen. Anstelle der pauschalen Ausweisung belasteter Gebiete wird überlegt, eine Regionalisierung auf Länderebene einzuführen. Dafür wurde eine hochrangige Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die unter Bundesführung arbeitet.
Ein realistisches Konzept bis 2027?
Es ist geplant, dass Bund und Länder in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission bis zur Herbst-AMK 2026 ein Konzept entwickeln und präsentieren. Diese Neuausrichtung soll den Landwirten bis zum Beginn der Düngesaison 2027 rechtliche Sicherheit bieten. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber betonte die Notwendigkeit eines gerechteren Düngerechts, das ohne pauschale Maßnahmen auskommt und dennoch effektiv beim Gewässerschutz wirkt.
Differenzierte Regelungen statt pauschaler Vorgaben
Miriam Staudte, Niedersachsens Landwirtschaftsministerin, wies darauf hin, dass künftig zwischen nährstoffbelasteten und unbelasteten Betrieben unterschieden werden könnte. So könnten anstelle großer „Roter Gebiete“ spezifische „Rote Betriebe“ identifiziert werden, die besonderen Auflagen unterworfen sind. Auch Michael Hauk aus Baden-Württemberg sieht eine umfassende Reform des Düngerechts als notwendig an, um sowohl die Landwirte zu entlasten als auch die Qualität des Grundwassers sicherzustellen.
Ambitionierter Zeitplan: Herausforderung oder Chance?
Dr. Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern plädiert für ein Verursacherprinzip: Landwirte, die nachhaltige Praktiken anwenden und unter dem Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter Wasser bleiben, sollten frei wirtschaften können. Dennoch mahnt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zur Vorsicht hinsichtlich des ehrgeizigen Zeitplans. Trotz dieser Herausforderungen zeigt er sich optimistisch und betont die Motivation aller Beteiligten, eine funktionierende Lösung zu finden.
