In Russland fällt die diesjährige Getreideernte nach Einschätzung von Branchenvertretern so niedrig aus wie selten zuvor. Fehlende technische Ausstattung bei der Ernte und eine schwächer werdende staatliche Unterstützung gelten als Hauptursachen für das Ergebnis.
Nach Angaben des stellvertretenden Ministerpräsidenten Dmitri Patruschew haben die Landwirte bislang knapp 105 Millionen Tonnen Getreide eingebracht. Der offizielle Jahresausblick bleibt bei 135 Millionen Tonnen. Vertreter der russischen Getreideunion äußern jedoch Zweifel, ob diese Zahlen realistisch sind.
Besonders beim Gersteanbau zeigt sich die Diskrepanz. Laut Prognose hätte der Ertrag bei rund 20 Millionen Tonnen liegen sollen, was deutlich über dem Vorjahreswert liegt. Auf den Märkten ist von diesem Volumen jedoch wenig zu sehen. Angebot und Exportaktivität bleiben hinter den Erwartungen zurück, während der Inlandsverbrauch ebenfalls rückläufig ist.
Auch bei Weizen und Roggen sind die endgültigen Ergebnisse noch offen. Erst zum Ende der Saison wird sich ein genaueres Bild ergeben. Schon jetzt aber wird deutlich, dass das laufende Jahr eines der schwächsten in der jüngeren Geschichte darstellen dürfte.
Nach Einschätzung von Experten verschlechtert sich die technische Basis der Landwirtschaft von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig bleibt die staatliche Förderung deutlich hinter dem Niveau vergangener Jahre zurück. Beides zusammen führt dazu, dass das Potenzial des Sektors nicht ausgeschöpft wird und die Ernte auf einem niedrigen Stand verharrt.
