Französische Landwirte sehen sich derzeit mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, die sowohl nationale als auch europäische Dimensionen haben. Premierminister Sébastien Lecornu hat in einem offenen Brief an die Bauern eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, um die Situation zu verbessern und den Druck auf die Landwirtschaft zu mindern. Diese Schritte zielen darauf ab, wirtschaftliche Gerechtigkeit zu fördern und die Souveränität Frankreichs im Agrarsektor zu stärken.
Wirtschaftliche Gerechtigkeit und Einfuhrkontrollen
Laut Lecornu ist es unerlässlich, unlauteren Wettbewerb durch Importe, die nicht den EU-Standards entsprechen, zu bekämpfen. Dazu gehört ein vorgeschlagener Importstopp für spezifische Agrarprodukte wie Avocados und Äpfel aus Südamerika, wenn diese Rückstände verbotener Pflanzenschutzmittel enthalten. Um die Umsetzung dieser Pläne sicherzustellen, sollen Kontrollen an den Grenzen sowie im Inland massiv ausgeweitet werden.
EU-Agrarhaushalt und Mercosur-Abkommen
Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies auch finanzielle Sicherheit: Der Premierminister verspricht, das Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU unangetastet zu lassen. Dies erfordert jedoch einen einstimmigen Beschluss des Rates. Gleichzeitig lehnt Lecornu Handelsabkommen wie das Mercosur-Abkommen ab, sollte es als unausgewogen angesehen werden.
Kritik am Krisenmanagement
Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierseuche Lumpy Skin Disease (LSD) führten insbesondere im Südwesten Frankreichs zu heftigen Protesten unter Landwirten. Laut Kritikern mangelt es der Regierung an einem systematischen Krisenmanagement. Rund 75 Prozent der betroffenen Herden seien mittlerweile geimpft worden, doch die Unzufriedenheit über die bisherigen Reaktionen bleibt groß.
Bürokratieabbau und Düngemittelpreise
Ein weiterer Punkt in Lecornus Plan ist der Abbau von übermäßiger Bürokratie sowie nationaler Regelungen, die über EU-Vorgaben hinausgehen. Zusätzlich fordert er von der EU-Kommission Ausgleichsmaßnahmen für die Auswirkungen des CO2-Grenzausgleichssystems auf die Düngemittelpreise.
Bauernproteste gegen Freihandelsabkommen
Trotz der angekündigten Reformen plant der Bauernverband FNSEA landesweite Proteste, um gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen zu mobilisieren. Lecornu erkennt das Gefühl struktureller Ungerechtigkeit unter den Landwirten an und betont, dass seine Regierung bereit ist, daraus Konsequenzen zu ziehen.
