Die Vermehrung von Saatgetreide stellt landwirtschaftliche Betriebe vor bedeutende wirtschaftliche Herausforderungen. Laut einer aktuellen Untersuchung des Agrarstudenten Sebastian Hanauer an der Hochschule Triesdorf-Weihenstephan sind angemessene Zuschläge für diese spezielle Dienstleistung unverzichtbar, um die Rentabilität zu sichern.
Wirtschaftlichkeit von Z-Saatgut
Zertifiziertes Saatgut (Z-Saatgut) bietet Betrieben viele Vorteile. Neben stabilen Erträgen profitieren Landwirte von Sortenreinheit und züchterischem Fortschritt, insbesondere in Bezug auf Krankheitsresistenzen. Für die Bereitstellung von Z-Saatgut in ausreichender Menge sind jedoch professionelle Vermehrungs- und Aufbereitungsprozesse erforderlich.
Diese Prozesse unterliegen einer amtlichen Zertifizierung, die sicherstellt, dass Anforderungen an Sortenidentität, Saatgutqualität und Rückverfolgbarkeit eingehalten werden. Die Kontrollen erfolgen in einem mehrstufigen System.
Herausforderungen für Vermehrer
Die besonderen Anforderungen an das Saatgut erhöhen den Aufwand im Vergleich zur reinen Konsumwarenerzeugung. Hanauers Bachelorarbeit beleuchtet die ökonomischen Aspekte der Saatgetreidevermehrung und zeigt auf, dass der sogenannte Vermehrerzuschlag entscheidend ist, damit Landwirte einen vergleichbaren Deckungsbeitrag wie im Konsumwarenanbau erzielen können.
Untersucht wurden zwei Verfahren: Bei der Rohwarenvermehrung produziert der Vermehrer Saatrohware, während die weiteren Schritte von einer Vermehrungsorganisation durchgeführt werden. Bei der Saatwarenvermehrung übernimmt der Vermehrer alle Schritte bis zum fertigen Produkt selbst.
Notwendige Zuschläge und Absatzquoten
Eine Kalkulation der variablen Kosten – etwa für Basissaatgut, technische Hygiene und Arbeitskosten – zeigte auf, dass bei Rohwarenvermehrung ein Mindestzuschlag zwischen 5,75 Euro (bei 100 % Absatzquote) und 9,42 Euro (bei 60 % Absatzquote) erforderlich ist. Bei vollständiger Durchführung inklusive Reinigung und Aufbereitung variieren die notwendigen Zuschläge zwischen 7,71 Euro und 12,68 Euro.
Dabei wurde eine Anbaufläche von 20 Hektar mit Winterweizen und einem Kornertrag von 70 Dezitonnen pro Hektar angenommen. Weitere Annahmen waren ein Reinigungsverlust von 10 % sowie Lohnkosten in Höhe von 21,50 Euro pro Arbeitskraftstunde.
Zukunftsperspektiven für Landwirte
Letztlich hängt die Wirtschaftlichkeit stark von den Absatzquoten ab. Für Betriebe bedeutet dies: Ein erfolgreiches Management der Vermarktung ist essentiell. Nur so können sie sicherstellen, dass sich die Investitionen in die aufwendigen Vermehrungsverfahren langfristig auszahlen.
