Die Tierhaltung in Deutschland durchläuft derzeit einen bedeutenden Wandel, der nicht nur die Anzahl der Tiere, sondern auch die Zahl der Betriebe beeinflusst. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies, sich auf veränderte Strukturen einzustellen und neue Strategien zu entwickeln. Besonders betroffen ist die Rinderhaltung, deren Bestände und Betreiberzahlen seit Jahren rückläufig sind.
Rückgang der Rinderhalter setzt sich fort
Die jüngsten Daten von Mai 2025 zeigen, dass es in Deutschland noch rund 10,3 Millionen Rinder gibt. Das bedeutet einen Rückgang von 2,7 % im Vergleich zum Vorjahr. Parallel dazu sank die Zahl der Rinderhalter um 1,6 % auf 122.600. Im Laufe eines Jahrzehnts hat sich der Bestand um etwa 18 % reduziert, während die Anzahl der Halter um 19 % zurückging.
Eine interessante Wendung ergab sich jedoch bei der November-Zählung: Die Zahl der Rinder stieg leicht auf 10,5 Millionen Tiere an. Dennoch blieb die Gesamtzahl im Jahresvergleich mit einem Minus von 0,4 % rückläufig.
Milchviehhaltung unter Druck
Im Bereich der Milchviehhaltung beobachten Landwirte einen anhaltenden Druck. Der Bestand an Milchkühen stieg zwar leicht um 0,2 %, doch die Anzahl der Milchviehbetriebe ging signifikant zurück. Im Vergleich zu November 2024 verringerte sich die Zahl der Milchkuhhaltungen um knapp 11 %. Über zehn Jahre betrachtet ist die Zahl dieser Betriebe sogar um über 40 % gesunken.
Trotz des Rückgangs halten größere Betriebe weiterhin den Großteil der Tiere: Rund 60 % der Milchkühe befinden sich in Beständen mit mehr als 100 Tieren.
Regionale Unterschiede in der Tierhaltung
In Deutschland variieren Intensität und Art der Tierhaltung stark nach Region. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verzeichnen mit rund 1,5 bis 1,6 Großvieheinheiten (GVE) pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche eine hohe Nutztiervielfalt. Bayern liegt mit einem Wert von 1,1 GVE ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt.
Bayern führt zudem bei der Rinderhaltung mit einem Anteil von 26 % am nationalen Gesamtbestand. Niedersachsen folgt mit 22 %, während Nordrhein-Westfalen bei etwa 12 % liegt.
Zunahme bei Ammen- und Mutterkühen
Ein Lichtblick zeigt sich bei den Ammen- und Mutterkühen: Der Bestand stieg um 1,2 %. Auch die Zahl ihrer Halter nahm leicht zu. Besonders Ostdeutschland spielt hier eine Schlüsselrolle und beherbergt etwa ein Drittel dieser Tiere.
Zukunftsperspektiven für Landwirte
Für viele Landwirte stellt dieser Strukturwandel eine Herausforderung dar. Strategien zur Anpassung an veränderte Marktbedingungen sind notwendig. Die Konzentration auf spezialisierte Betriebsstrukturen könnte ein Weg sein, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und wirtschaftlichen Erfolg langfristig zu gewährleisten.
Fachleute schlagen vor, dass eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlichen Betrieben sowie Investitionen in nachhaltige Praktiken dazu beitragen könnten, den negativen Trends entgegenzuwirken und neue Perspektiven zu eröffnen.
