Die Diskussion um die sogenannten „Roten Gebiete“ in Deutschland sorgt weiterhin für Unsicherheit unter Landwirten und politischen Entscheidungsträgern. Diese Gebiete, die aufgrund hoher Nitratbelastungen als besonders schutzbedürftig gelten, stehen im Mittelpunkt eines fortwährenden Streits über das deutsche Düngerecht. Trotz einer wegweisenden Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtshofs im Herbst ist bisher keine ausreichende Klarheit geschaffen worden.
Rechtsunsicherheit für Landwirte
Der Göttinger Agrarrechtsexperte Prof. José Martínez sieht nach wie vor Handlungsbedarf auf Bundesebene. Er bezeichnet die derzeitige Lage als „rechtsstaatlich nicht hinnehmbaren Schwebezustand“ und fordert von der Politik, baldmöglichst eine verfassungskonforme gesetzliche Grundlage zu schaffen. Diese solle im Düngegesetz verankert und in einer Neufassung des § 13a der Düngeverordnung konkretisiert werden. Erst dann könnten die Länder wirksame Ausführungsverordnungen erlassen.
Fehlende Durchsetzbarkeit der Düngereduktion
Ohne eine solide rechtliche Basis können die bestehenden Regelungen für Rote Gebiete nicht durchgesetzt werden. Bisher galt in diesen Gebieten, dass Landwirte ihre Stickstoffdüngung um 20 % reduzieren müssen. Doch diese Vorgaben sind momentan nicht rechtsverbindlich, da ihnen eine tragfähige gesetzliche Grundlage fehlt.
Kritik an verfassungswidriger Verordnung
Das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass § 13a Absatz 1 der Düngeverordnung gegen Grundrechte wie Eigentum und Berufsfreiheit verstößt. In Bayern führte dies dazu, dass die entsprechende Landesverordnung zur Düngeverordnung für ungültig erklärt wurde. Prof. Martínez betont, dass ähnliche Klagen in anderen Bundesländern ebenfalls große Erfolgsaussichten hätten, wodurch die praktische Umsetzung der aktuellen Vorschriften erheblich erschwert wird.
Agrarpolitik unter Zeitdruck
Martínez kritisiert zudem den oft hektischen Gesetzgebungsprozess in der Agrarpolitik. Entscheidungen würden häufig unter erheblichem Zeitdruck getroffen, was zu unausgewogenen und rechtlich angreifbaren Lösungen führe. Dieses Vorgehen verstärke die Unsicherheiten für Landwirte zusätzlich.
Die aktuelle Situation erfordert daher ein schnelles Eingreifen des Gesetzgebers, um eine rechtssichere Handhabung von Maßnahmen in Roten Gebieten zu gewährleisten und den Schutz von Wasserressourcen mit den Interessen der Landwirtschaft in Einklang zu bringen.
