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Unerkannter Erreger PCV2: So bekämpfen Landwirte Fruchtbarkeitskrise

Ein bedeutender Anstieg der Umrauscherquote und vermehrte Aborte in einem gut geführten Sauenbetrieb in Ostwestfalen haben die Betreiber vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Die Umrauscherquote stieg plötzlich von stabilen vier Prozent auf über 20 Prozent, was selbst erfahrene Landwirte ratlos machte. Doch eine gründliche Untersuchung brachte schließlich Licht ins Dunkel und zeigte, welche unbemerkten Gefahren in der Schweinehaltung lauern können.

Unerwartete Erreger als Ursache

Der Betrieb mit 210 Sauen wurde im 3-Wochen-Rhythmus geführt, und die Probleme traten zwischen dem 70. und 95. Tag der Trächtigkeit auf. Zunächst konzentrierten sich die Untersuchungen auf Leptospiren, da diese Erreger häufig Fruchtbarkeitsstörungen hervorrufen können. Dennoch blieben die Laboruntersuchungen des eingesandten Materials zunächst ohne eindeutigen Befund.

Im weiteren Verlauf wurde der Keim Trueperellaabortisuis entdeckt, dessen Bedeutung bei Fruchtbarkeitsproblemen bisher wenig erforscht ist. Zudem bestätigten Blutuntersuchungen erhöhte Antikörpertiter gegen verschiedene Leptospiren-Serotypen, was den Infektionsverdacht weiter erhärtete.

Strategien zur Bekämpfung der Leptospirose

Um die Leptospirose zu bekämpfen, wurden antibiotische Behandlungen ebenso wie Impfungen gegen Leptospiren, Rotlauf und Parvovirose eingeführt. Diese Maßnahmen führten zwar zu einer Reduktion von Aborten und Fieber, jedoch blieb die Umrauscherquote hoch. Neben medizinischen Maßnahmen wurden auch die Biosicherheitsmaßnahmen optimiert: Schadnagerbekämpfung und strikte Hygieneregeln zwischen den beiden Betriebsstandorten wurden eingeführt.

Unterschätzte Gefahren: Circoviren im Fokus

Letztlich ergab sich ein Wendepunkt durch die Identifikation des PCV2-Virus als einen wesentlichen Faktor für die Fruchtbarkeitsprobleme. Auch wenn Circoviren überwiegend mit der Aufzucht verbunden sind, können sie bei Sauen erhöhte Umrauschquoten verursachen. Eine umfassende Grundimmunisierung aller Sauen gegen PCV2 wurde durchgeführt, was schließlich zu einem Rückgang der Umrauscherquote führte.

Langfristige Lösungen durch Impfung

Die Einführung eines Whole-Herd-Impfkonzepts erwies sich als entscheidend für die Stabilisierung des Betriebs. Dieses Konzept berücksichtigt sowohl junge als auch ältere Sauen sowie Ferkel, um Immunitätslücken zu schließen. Das aktuelle Beispiel zeigt deutlich, dass nur eine durchgängige Impfstrategie den Betrieb langfristig vor Erregerwellen schützen kann.

Zukunftsperspektiven für den Betrieb

Trotz der komplexen Herausforderungen konnte der Betrieb seine Produktionszahlen wieder stabilisieren und liegt nun bei 32,5 abgesetzten Ferkeln je Sau im Jahr. Dies zeigt eindrucksvoll, dass eine sorgfältige Beobachtung und Anpassung des Managements sowie gezielte Diagnostik entscheidend für den Erfolg sind.