Anzeige
 

Bauernpräsident Rukwied schließt Proteste nicht aus

Bauerndemonstrationen könnten in Deutschland bald wieder an der Tagesordnung stehen, wie der deutsche Bauernpräsident Joachim Rukwied in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) andeutet. „Wenn es notwendig wird, sind wir sehr schnell wieder auf der Straße“, betonte Rukwied und verwies auf die Proteste im letzten Winter. Derzeit seien keine konkreten Termine für Schlepperdemos geplant, jedoch sei der Verband bereit, seine Präsenz, besonders im Rahmen der anstehenden Europawahl und der Bundestagswahl im nächsten Jahr, zu verstärken.

Trotz des Fehlens aktueller Traktorproteste in der Hauptstadt besteht laut Rukwied weiterhin eine tiefe Unzufriedenheit unter den Landwirten. Der Verband hat seine Kampagne durch sichtbare Plakate an Feldrändern intensiviert, um auf die Anliegen der Bauern aufmerksam zu machen. Ein aktueller Schwerpunkt der Verhandlungen zwischen den Ampelfraktionen ist ein Entlastungspaket für Landwirte, das noch vor dem Sommer verabschiedet werden soll.

Rukwied fordert eine faire Lösung beim Thema Agrardiesel. Er plädiert für eine Anpassung der Steuerrückerstattung auf den europäischen Durchschnittssteuersatz für Landwirtschaftsdiesel, der aktuell bei etwa 25 Cent pro Liter liegt. Dies übersteigt die derzeitige Rückerstattung in Deutschland von 21,48 Cent pro Liter. Zusätzlich setzt er sich für die Steuerfreiheit von Biokraftstoffen in der Landwirtschaft sowie einen umfassenden Bürokratieabbau ein.

Sollte die Steuerrückerstattung auslaufen, würde dies deutsche Bauern im europäischen Vergleich weiter benachteiligen. Laut Rukwied hätten deutsche Bauern dann zusammen mit ihren Kollegen in den Niederlanden und Griechenland die höchsten Kraftstoffkosten. Im Gegensatz dazu wird Agrardiesel in Belgien gar nicht besteuert, und viele andere EU-Länder bieten ihren Landwirten finanzielle Vergünstigungen, wie Österreich, das einen Ausgleich für die Erhöhung der CO2-Steuer zahlt.

Die bisherigen Bauernproteste sieht Rukwied als Erfolg an. Er hebt hervor, dass das grüne Kennzeichen erhalten geblieben ist, die vierprozentige Pflichtstilllegung ausgesetzt wurde und ein drohendes Pflanzenschutzverbot in Landschaftsschutzgebieten auf EU-Ebene abgewendet werden konnte.

Weitere Nachrichten aus der Politik

EU-Spitzentreffen: Merz fordert Bürokratieabbau und Freihandel

Am 12. Februar treffen sich Europas führende Politiker im belgischen Schloss Alden Biesen, um Wege zur Ankurbelung der europäischen Wirtschaft zu diskutieren....

Milchgipfel: Risikoausgleichsrücklage statt Marktordnungs-Eingriffe

Beim jüngsten Milchgipfel, einberufen von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, stand die Diskussion um die Zukunft des Milchmarktes in Deutschland im Mittelpunkt. Dabei wurde...

CSU-Minister Rainer kürzt Ökoförderung: Biobranche empört

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen plant der CSU-Bundesagrarminister Alois Rainer, die Förderung des ökologischen Landbaus im Bundeshaushalt auf zentrale Themen zu fokussieren....

EU erlaubt mehr Stickstoffdünger aus Gülle

Ab der Düngesaison 2027 dürfen europäische Landwirte mehr als 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr aus aufbereitetem Stickstoff (Renure) verwenden. Diese...

EU schützt Landwirte: Mercosur-Schutzklauseln beschlossen

Mit einem klaren Votum hat das Europäische Parlament die sogenannten Mercosur-Schutzklauseln verabschiedet. Eine überwältigende Mehrheit von 483 Abgeordneten sprach sich am Dienstag...